Rechtsextreme Straftaten im Westhavelland - 1995

 

 

 
  25. Mai 1995  
     
  Himmelfahrtsrandale in der Innenstadt  
     
  Rathenow: *Zu Ausschreitungen der rechten Szene kam es am Himmelfahrtstag 1995 in Rathenow. Bereits gegen 10.00 Uhr zog eine ungefähr 30 Personen starke Gruppe Rechtsextremisten den Friedrich Ebert Ring entlang und bewarf vorbeifahrende Pkws mit Steinen.
Gegen 14.30 Uhr befindet sich der Mob Rechter in der Friedrich Engelsstraße und greift von dort aus einen vietnamesischen Imbissstand in der Puschkinstraße an. Dabei kam es Sachbeschädigungen.
Kurz nach 16.00 Uhr wollen die Rechtsextremisten in die von der Engelsstraße in die Berliner Straße Richtung Innenstadt abbiegen. Die Polizei lenkt sie jedoch (genau in die entgegen gesetzte Richtung) um - direkt auf ein linken besetztes Haus zu. Sowie die Rechtsextremisten in Reichweite kamen, begannen sie zuerst die Polizei und später die Jugendlichen am besetzten Haus mit Steinen zu bewerfen. Die Polizei "riegelte" daraufhin die Berliner Straße in Höhe des (ehemaligen) Polizeireviers mit etwa 30 Beamten und mehreren Einsatzwagen ab. Acht namentlich bekannte Rechtsextremisten durchschritten jedoch die Polizeisperre, zum Teil mit Schlagstöcken in der Hand und beginnen auf dort stehende Jugendliche einzuschlagen. Gleichzeitig verhaftet die Polizei zwei Jugendliche, die sich verteidigen wollen. Die acht Rechtsextremisten können nahezu 20 Minuten vor den Augen der Polizei zu prügeln und randalieren. Nach 17 Uhr durchbrechen alle Rechtsextremisten die Polizeisperre und stürmen gemeinsam mit mit den Polizisten das von linken besetzte Haus. Ein Jugendlicher wurde während seiner Festnahme durch die Polizei von mehreren bekannten Rechtsextremisten derart geschlagen, das er Hämatome zurückbehielt. Als die Polizei ihn dann abführte skandierten die Rechtsextremisten "Sieg Heil".
Zur selben Zeit musste ein 18 Jähriger, der bereits in der Engelsstraße von Rechtsextremisten mit einer Bierdose verletzt wurde, von Krankenpflegern aus der Rettungsstelle in ein anderen Bereich des Krankenhauses evakuiert werden, da ihn die Rechten auch hier angriffen. Die Polizei mussten gerufen werden um die Rechtsextremisten abzudrängen.
Mindestens vier weitere Personen wurden ebenfalls durch Rechtsextremisten verletzt. 
 
     
  Aus Erlebnisberichten und Gedächtnisprotokolle von linken Jugendlichen  
     
 

Randale in Mögelin

 
     
  Mögelin: *Die Randale in Mögelin begann um 21.30 Uhr. Bereits im Vorfeld, so Zeugen, seien die Jugendlichen in der Nähe der Sprint - Tankstelle aneinandergeraten. Vor den Zusammenstößen hätten sie bereits im hochgradig alkoholisierten Zustand die Mineralölstation aufgesucht. Dort habe schließlich einer der Jugendlichen Buletten gestohlen, während rings um die Waschanlage Flaschen und Bierkrüge zu Bruch gingen. Nach dem die (rechten) Jugendlichen später begannen, am Bahnhof zwei Bushäuschen zu zerstören und die Straße blockierten, riefen Bürger die Polizei.
Als die Beamten eintrafen, widersetzten sich einige der (rechten) Jugendlichen den Polizisten, weigerten sich ihre Personalien feststellen zu lassen. Einige der (rechten) Jugendlichen, die bereits im Vorfeld äußerst aggressiv aufgetreten waren, griffen schließlich Beamte tätlich an, wobei drei Polizisten leicht verletzt wurden. Es kam zu Festnahmen.
Bei den festgenommen soll es sich um (rechte) Jugendliche aus Brandenburg und Premnitz handeln. Ihnen droht jetzt eine Anklage wegen schwerer Sachbeschädigung und Widerstands gegen Polizeibeamte.
 
     
  Märkische Allgemeine Zeitung, 27. Mai 1995  
     
  Naziparolen am Sportlerheim  
     
  Mögelin: *Gegen 22 Uhr skandierten zwei Rechtsextremisten aus Premnitz am Sportlerheim "Heil Hitler".  
     
  Amtsgericht Rathenow, 8. Dezember 1998  
     
  --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------  
     
  Juli 1995  
     
  Skintreffen  
     
  Golzow (Potsdam - Mittelmark): *Auf einer Waldlichtung zwischen Golzow und Ragösen trafen sich 25 (neonazistische) Skins aus Brandenburg, Rathenow und Berlin. Reichskriegsflagge und die Fahne der verbotenen Nationalistischen Front wurden gehisst. Am Lagerfeuer betranken sich die Rechtsradikalen. Als plötzlich ein Polizeihubschrauber auftauchte, verbuddelten sie verbotenes Material. Polizisten fanden die Stelle. Alle 25 Skins haben jetzt mit erheblichen Geldbußen zu rechnen. Wer vorbestraft ist, gar mit Freiheitsstrafe. Zwei Skins versuchten betrunken mit ihrem Opel Kadett zu türmen - zusätzlich Anzeige wegen Trunkenheit am Steuer.  
     
  Preußenspiegel, Juli 1995  
     
  --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------  
     
  22. August 1995  
     
  Randale im Chemiefaserwerk  
     
  Premnitz: *In Premnitz halten sich hartnäckig Gerüchte , denen zufolge (neonazistische) Skinheads in der Nacht vom 21. zum 22. August im Chemiefaserwerk randaliert haben sollen. Während ein Sprecher des Werkes gestern den Vorfall bestätigte, sollen bei der Rathenower Polizei zu den Vorgängen keine Hinweise vorliegen:
Bereits am 23. August hatte es zu den Gerüchten eine MAZ - Anfrage bei der Polizei gegeben. Dort wurde bestätigt, dass es in der fraglichen Nacht eine Sachbeschädigung an einem Auto gegeben habe. Weitere Anzeigen seien nicht erstattet worden, so die Behörde damals. Informationen über das Auftauchen von randalierenden (neonazistischen) Skinheads hätte es nicht gegeben.
Den vorliegenden Informationen zufolge sollen (neonazistische) Skinheads in die Konerei des Chemiefaserwerkes eingedrungen sein. In der Nacht zum Dienstag hätten sie dort gegen 0.30 Uhr Unternehmensmitarbeiter bedroht, aber nicht angegriffen. Während des Zwischenfalls sollen Feuerlöscher ausgelöst worden sein. Bei weiteren Sachbeschädigungen hätten die Eindringlinge zudem "Sieg Heil" skandiert. Im Zusammenhang mit diesen Informationen hatte es zudem geheißen, dass es auch zu einer Vergewaltigung gekommen sei.
Bei der Faser AG hieß es gestern, bei der Polizei seien zwei Anzeigen gestellt worden. Neben Sachbeschädigungen sei es auch um den Skinheadüberfall gegangen. Eine solche Anzeige, so aber gestern ein Polizeisprecher auf nochmalige MAZ - Anfrage, liege nicht vor.
 
     
  Märkische Allgemeine Zeitung, 2. September 1995  
     
  --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------  
     
  25. August 1995  
     
  Überfall in der Lönsstraße  
     
  Rathenow: *Am 25. August 1995 kam es in Rathenow wieder einmal zu einem Aufeinandertreffen von Rechten und Linken. Dem Gedächtnisprotokoll von Kay S. zufolge trafen er und zwei weitere Jugendliche der linken Szene in der Lönsstraße in Rathenow auf vier Rechte. Wenig später kamen von der Rhinower Straße noch mehr. Vielleicht 15 Mann, bewaffnet mit Knüppeln. Kay S.: "Die Rechten rannten schreiend auf uns zu. Wir flüchteten. Der Abstand betrug 10 oder 15 Meter." Kay S. stürzte. Als er sich umdrehte, waren sie über ihm. Er erkannte vier der Angreifer. Sie schlugen ihn mit einem Tonfa, einem Schlagstock, der bei der Polizei benutzt wird, mehrfach auf den Kopf. Kay S. ging zu Boden. Die Angreifer schlugen und traten weiter. Nur ins Gesicht, nur auf den Kopf. Dann wurde er bewusstlos, landete später im Krankenhaus. Behandelt wurden dort ein doppelter Kieferbruch, ein Trümmerbruch eines Kiefergelenkes und zwei große Platzwunden am Kopf  
     
  Märkische Allgemeine Zeitung, 29. Juni 1996 ("Was fehlt, ist der Beweis")  
     
  --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------  
     
  26. August 1995  
     
  Mann erlitt Schädelbasisbruch  
     
  Premnitz: *Ein Mann, der am Wochenende auf dem Dachsbergfest in Premnitz durch (rechte) Jugendliche angegriffen wurde, ist offenbar schwerer verletzt worden als angenommen. Er bekam eine Flasche über den Kopf und soll jetzt mit einem Schädelbasisbruch in einer Klinik liegen.  
     
  Märkische Allgemeine Zeitung,  1995  
     
  --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------  
     
  Oktober 1995  
     
  Randale  
     
  Fohrde (Potsdam - Mittelmark): *Sechs Jugendliche wollten sich im Jugendklub Fohrde ´nen schönen Abend machen, als 20 kurzhaarige (rechtsextreme) Havelländer, Rathenower und Genthiner einkehrten. Kein Heimspiel für die Fohrder - sie suchten das Weite. Die Gäste hatten freie Bahn. Sie zerlegten das Inventar. Eine Stunde später wurde die Polizei alarmiert. Etwas spät, doch nicht zu spät. Trotzdem die Randalierer in fünf Autos getürmt waren, konnten die Tatverdächtigen ermittelt werden.  
     
  Preußenspiegel, 5. November 1995  
     
  --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------  
     
  November 1995  
     
  Anzeige nach Hetze  
     
  Rathenow: *Nach dem Auftauchen von antisemitischen Hetzbriefen hat das staatliche Schulamt in Rathenow jetzt Strafanzeige gestellt. Die von einer "Initiative zur Verhinderung der Verjudung des deutschen  Volkes" unterzeichneten Briefe waren an Schüler und Lehrer der Bürgelschule gegangen. Diese hatten sich an einem Projekt über die jüdische Vergangenheit von Rathenow beteiligt.
Die Briefe, in dem gegen das jüdische Volk gehetzt wird, waren auf dem Postweg zugestellt worden. Dies geschah Anfang des Monats. Jetzt, drei Wochen danach, stellte das Schulamt Strafanzeige wegen Volksverhetzung.
 
     
  Märkische Allgemeine Zeitung,  22. November 1995  
     
 

Staatsschutz ermittelt

 
     
  Premnitz: *In Premnitz sind rechtsextremistische Plakate mit verfassungswidrigen Kennzeichen aufgetaucht. Der Staatsschutz ermittelt.  
     
  Märkische Allgemeine Zeitung,  24. November 1995  
     
  --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------  
     
  26. November 1995  
     
  Naziparolen nach Schlägerei  
     
  Potsdam: *Nach einer Schlägerei im Potsdamer Veranstaltungszentrum "Blauhaus" sind in der Nacht zum Sonntag zwei Personen verletzt und ein 26 Jähriger Mann festgenommen worden. Gegen 3.00 Uhr hatte sich eine Gruppe von 30 "glatzköpfigen" (rechtsextremen) Personen in das Haus begeben, sechs von ihnen hatten eine Schlägerei begonnen. Eine Zeugin erkannte einen Mann wieder. Als dieser von Polizeibeamten angesprochen wurde, hat er mit "Sieg Heil" und "Hitlergruß" reagiert. Der Mann aus Rathenow (Havelland) wurde vorläufig festgenommen.  
     
  Märkische Allgemeine Zeitung,  27. November 1995  
     
  --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------  
     

 

 

 

 

zurück