Der Boykott jüdischer Geschäfte in Rathenow

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten waren sofort Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte verbunden. Fritz Mewes aus Rathenow erinnert sich:

"Wir kauften damals im jüdischen Schuhgeschäft Alex Grischmann Jägerstraße 1 (heute Goethestraße). Ein Spezialgeschäft, das auf Höhe der Zeit war. Mein Vater ging mit mir in den Laden, vor dem sich am 1.4.1933 eine Menschenmenge angesammelt hatte - wir ahnten nichts Böses. Am Eingang standen SA - Männer und fotografierten jeden Kunden der das Geschäft betrat. Ich werde das Gesicht des Herrn Grischmann, seines Sohnes und der Verkäuferin nicht vergessen - verzweifelt, betroffen und betrübt."

Diesem ersten Boykott jüdischer Geschäfte folgten weitere. Aus verschiedenen Schreiben geht hervor, dass besonders in der Vorweihnachtszeit 1935 verstärkt Boykottmaßnahmen in Rathenow organisiert wurden. Insbesondere das Kaufhaus Conitzer war von diesem Boykott betroffen. Hintergrund dieser Aktion, so gab ein SA - Mann an, war, dass festgestellt werden sollte, ob NSDAP - Mitglieder oder SA - Männer in diesem Kaufhaus einkauften.

Bild links: Boykott jüdischer Geschäfte nach dem 1.April 1933 in Deutschland (Quelle: Broschüre "Aufarbeitung der jüdischen Vergangenheit in Rathenow", Rathenow 1995)

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