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Max Abraham Die
genauen Lebensdaten sind nicht bekannt. Geboren ist er um die Jahrhundertwende,
gestorben vermutlich in den 70er Jahren in England. In
den Jahren 1927 bis 1933 war der junge Max Abraham Prediger, Religionslehrer und
Schächter in Rathenow und wurde daher vielfach als "Rabbi"
bezeichnet. Dort war er täglicher Gast am Tisch der Familie Kornblum, der
einzigen Familie in Rathenow, die sich streng koscher nach den jüdischen
Speisegesetzen ernährte. Der Sohn der Familie, Egon Kornblum (geb. 1918)
erhielt bei ihm Religionsunterricht. Als ein Zeitzeuge, der sich noch immer
recht detailiert an die Begegnungen mit Max Abraham erinnern kann, lebt er heute
in Essen. Folgende Schilderungen ( in Ergänzung zu den eigenen Aufzeichnungen
von Max Abraham in seinem Buch "Juda verrecke", 1934)
basieren auf Kornblums mündlichen Berichten vom 29.11.2001: Max
Abraham war damals ein junger, streng religiös lebender Mann, der eine
bedeutende Stellung unter den Juden in und um Rathenow einnahm. Politisch stand
er offenbar der SPD nahe, ohne jedoch in dieser Haltung besonders
hervorzutreten. Gute Kontakte pflegte er zu den katholischen und evangelischen
Geistlichen des Ortes, die sich ihm gegenüber solidarisch zeigten. Die
Verhaftung von Max Abraham ereignete sich 1933 als Folge eines Zwischenfalls im
nahegelegenen Berlin. Er war dort von zwei bewaffneten Nationalsozialisten
angegriffen worden und hatte sich - als kräftig gebauter Mann - erfolgreich
dagegen gewehrt. Zurück in Rathenow wurde er sofort festgenommen. Zu der ihm
unterstellten Körperverletzung kam der "Verdacht auf Verbreitung von
Greuelpropaganda", da man bei ihm im Haus eine Schweizer Zeitung gefunden
hatte. Am 14.06.1935 stellte die
"Rathenower Zeitung" rückblickend die Ereignisse wie folgt dar: "Dem
früher in Rathenow tätig gewesenen Max Abraham ist das Staatsbürgerrecht
aberkannt worden, denn er war ein rühriges Mitglied marxistischer Kampfverbände.
Noch nach der nationalen Erhebung am 26.Juni 1933 fiel er einen SA-Angehörigen
in Rathenow in der Dunkelheit an und verletzte ihn. Er kam daraufhin ins
Konzentrationslager und wurde vom Schöffengericht wegen gefährlicher Körperverletzung
mit 6 Monaten Gefängnis bestraft. Nach der Verbüßung der Strafe ging er ins
Ausland und verfasste dort eine Broschüre mit dem Titel "Juda verrecke.
Ein Rabbiner im Konzentrationslager". Diese Hetzschrift enthält üble
Greuelnachrichten über angebliche Erlebnisse Abrahams im Konzentrationslager,
der übrigens nie jüdischer Rabbiner war." Nach
seiner Verhaftung wurde Max Abraham zunächst in der Schule von Rathenow
festgehalten und dort brutal misshandelt. Danach begann sein Leidensweg durch
mehrere Lager, unter anderem auch Börgermoor (September 1933, zusammen mit
Wegener und Heilmann). Detailierte Schilderungen zur Ankunft in Papenburg und
den entwürdigenden Lagerqualen sind in seinem Buch "Juda verrecke"
nachzulesen. Nach
mehreren Monaten vorübergehend aus der Schutzhaft entlassen, wollte man ihm
erneut den Prozess machen. Trotz Verbot, Rathenow nochmals zu betreten, tauchte
er eines Tages in heimlich bei der Familie Kornblum auf, bat um einige persönliche
Gegenstände und war offenbar unterwegs, um mit seiner Braut illegal über die
Grenze in die Tschechoslowakei zu fliehen. Für viele Jahre verloren sich die
Spuren. Egon
Kornblum, der die Jahre im Ausland überlebte, kehrte 1958 nach Deutschland zurück
und lebt seitdem in Essen. Dort las er eines Tages in der Jüdischen Allgemeinen
Zeitung einen Aufsatz von Max Abraham, der in England verfasst war. Kornblum
suchte erneut Kontakt zu seinem ehemaligen Lehrer. Es kam bald darauf zu einem
Treffen. Dabei erfuhr er, dass Abraham sich versteckt in einem Möbelwagen übers
Wasser nach England hatte retten können. Dort ist er vermutlich in den späten
60er oder 70er Jahren gestorben. Werke: Juda
verrecke. Ein Rabbiner im Konzentrations-Lager (mit ausführlichen Schilderungen
zu Börgermoor) Teplitz-Schönau 1934 - weitere
Aufsätze und Zeitungsartikel sind vermutlich nach dem Krieg in England
publiziert, konnten aber bisher nicht ermittelt werden. Erwähnung
in: Wenige
Informationen über Max Abraham liegen heute im Kreismuseum von Rathenow,
Rhinowerstr. 19d, 14712 Rathenow, Tel.03385/512681 vor. Die
Märkische Allgemeine erinnerte in ihrer Ausgabe vom 16.3.1996 an das Wirken Max
Abrahams in Rathenow. Alle
weiteren Informationen sind den mündlichen Erinnerungsberichten von Egon
Kornblum zu verdanken. Quelle: http://www.autorenlexikon-emsland.de/max_abraham.htm
Buchtipp:
"Konzentrationslager Oranienburg - Augenzeugenberichte aus dem Jahre 1933: Gerhart Seeger - Reichstagsabgeordneter der SPD Max Abraham - Prediger in Rathenow"
Verlag für Berlin - Brandenburg GmbH, Potsdam, 2003 ISBN 3-935035-51-9
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