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Im folgenden werden Schicksale von ehemaligen NS - Zwangsarbeitern dargestellt, die sich zwischen den 2000 und 2002 im Rahmen ihrer Entschädigungsansprüche bei der Stadt Rathenow meldeten. Natalja Martymowa Frau Natalja Martymowa wurde im Alter von 19 Jahren von ihrer Heimatstadt Nowogeoriewst nach Rathenow verschleppt. Von August 1942 bis 1943 arbeitete Frau Martymowa in der Firma Emil Busch. Dort wurden linsen für die Kriegsproduktion hergestellt. Im Jahre 1943 wurde sie in das Dorf Bredkow (?) versetzt. Dort arbeitete sie bei einem Bauern, welcher Oskar Schinhof hieß. Seine Frau hieß Elisabeth und der Vater des Bauern German Fozeran. das junge Ehepaar hatte keine Kinder. Frau Martymowa war bei diesem Bauern als Haushaltshilfe tätig. Dort wurde sie schwanger und wurde 1944 wieder nach Rathenow gebracht. Dort hat sie eine Tochter Antonina geboren. Es wurde darüber ein Eintrag in das Geburtsregister gemacht. Zu diesem Zeitpunkt wohnte sie in der Rhinower Landstraße bei dem wirt Konrad Böttcher. Seine Frau hieß Elisabeth und er hatte zwei Töchter. An die Namen der Töchter konnte sich Frau Martymowa leider nicht mehr erinnern. Bei Herrn Konrad Böttcher arbeitete sie als Küchenhilfe. es gab dort noch mehr Jungen und Mädchen aus Osteuropa. Das Kindermädchen Natascha hat am 9.März 1944 einen Sohn geboren. Herr Konrad Böttcher hatte eine große Gärtnerei mit vielen großen Treibhäusern. Die Recherchen ergaben, dass bei Konrad Böttcher in der Rhinower Landstraße, drei osteuropäische Mädchen schwanger waren und Kinder bekamen. Von dem Kindermädchen Natascha, das Frau Martymowa in ihrem Brief beschrieben hat, wurde kein Geburtsnachweis gefunden. Stefan Haredski Stefan Haredski, 1929 geboren, kam im Alter von 14 Jahren nach Deutschland. Er arbeitete in der Gärtnerei Konrad Böttcher in Rathenow, Rhinower Landstraße 31. Stefan Andraszcyk Stefan Andraszcyk, geboren 1926, kam im Alter von 16 Jahren nach Deutschland. Er arbeitete von Februar 1942 bis November 1942 in der Domäne Roskow bei Brandenburg/Havel. Später wurde er nach Rathenow verschleppt, wo er beim Aushieb des Waldes arbeitete, bei Herrn Otto Huber. Im April 1943 wurde er zur Arbeit in der Landwirtschaft bei Herrn Emil Feuerherdt in Rathenow, Semliner Straße 52, eingewiesen. Dort arbeitete er dann weiter bis das Kriegsende kam. Ewa Bocian Ewa Bocian, 1932 geboren, und ihre Mutter Marianna Bocian, 1908 geboren, sind 1940 nach Deutschland gekommen. Die Mutter hat als Landarbeiterin in Rhinow in der Domäne gearbeitet. Nach unseren Recherchen war die Domäne in Rhinow ein kirchliches Landgut, das während des zweiten Weltkrieges zwangsversteigert wurde. Frau Bocian und ihre Tochter sind aus gesundheitlichen Gründen im November 1942 zurück nach Polen gegangen. Krystyna Nowaczyk Krystyna Nowaczyk, 1929 geboren, kam im Alter von 14 Jahren nach Deutschland. Nach eigenen angaben arbeitete sie in einer elektrischen Fahrzeugfabrik. Sie machte keine Angaben darüber, wie die Firma hieß oder wo sie untergebracht war. Irena Kuczyk Irena Kuczyk, 1928 geboren, kam als 15 - jähriges Mädchen nach Deutschland. Sie arbeitete von Mai 1943 bis Dezember 1944 beim Marinenachrichtenmittelwaffenarsenal der Kriegsmarine in Rathenow. Während dieser Zeit wohnte sie in der Salzstraße 2 in Rathenow. Vom Januar 1945 bis zum Kriegsende hat sie Schrauben für die Armee in einer Autoreparaturwerkstatt hergestellt. Sie kann sich aber nicht mehr an den Namen der Werkstatt erinnern. Rosa Ivanowna Schepetucha Rosa Ivanowna Schepetucha (Verh. Kuschnirenko) wurde im Alter von 17 Jahren aus Kriwoj Rog nach Deutschland verschleppt. Sie kam nach Rathenow und war bei der Firma Emil Busch beschäftigt. Ihre Lagernummer war 422. Untergebracht war Frau Schepetucha im Lager am Grünauer Weg. Um das Lager herum war Stacheldraht. Frau Schepetucha und die anderen Lagerinsassen wurden unter Bewachung zur Arbeit geführt und wieder abgeholt. 1994 und 1996 hat sie bereits an den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen geschrieben und um Unterlagen über ihren Aufenthalt im zweiten Weltkrieg in Deutschland gebeten. Vergeblich. Darja Stepanenko Darja Stepanenko war 20 Jahre alt, als sie von ihrem Heimatort Owsjanikowa im Kriwogradskaja Gebiet der Ukraine nach Deutschland verschleppt wurde. Dort arbeitete sie in Rathenow in der optischen Firma Emil Busch. Sie war in einem Lager untergebracht. In der Nähe befand sich eine Eisenbahnstrecke. Wahrscheinlich war es das Lager am Weinberg oder das in der Schützenstraße auf dem kleinen Reitplatz. Jadwiga Antonowna Rolosinska Jadwiga Antonowna Rolosinska, 1926 geboren, kam im Alter von 16 Jahren nach Deutschland. Sie hat in einer Firma, in der Glas für Brillen produziert wurde, gearbeitet. Sie kann sich nicht daran erinnern, wie diese Fabrik hieß. Sie kann sich nur daran erinnern, dass sie in einem Heim nicht weit entfernt von einer Kirche wohnte. Dimitrij Bogatyrjow Dimitrij Bogatyrjow, 1924 geboren, kam im Alter von 20 Jahren nach Deutschland. Er arbeitete als Hilfsarbeiter bei dem kleinen Sägewerk der Firma Beuermann. Er wohnte in einer Baracke auf dem Territorium des Werkes. Nikolai Shilzow Nikolai Shilzow, geboren 1924, kam im Alter von 18 Jahren nach Deutschland. Er arbeitete in einer Kfz - Werkstatt in der Kraftfahrzeuge ausgebessert wurden. Grigori Balabas Grigori Balabas, 1922 geboren, kam im Alter von 20 Jahren nach Deutschland. Er arbeitete mit Bürgern aus Frankreich, Polen und der ehemaligen Sowjetunion in einer Schmiede als Hilfsarbeiter. Er kann sich daran erinnern, dass der Vorarbeiter der Schmiede Schulz hieß und zirka 70 Jahre alt war. Untergbracht war her Balabas in einem Lager zirka zwei Kilometer von der Schmiede entfernt. Wassilij Wladimirowitsch Wassilij Wladimirowitsch, 1925 geboren, kam im Alter von 17 Jahren nach Deutschland. Er arbeitete als Landarbeiter in Gülpe (?). Er kann sich daran erinnern, dass der Landwirt einen Sohn hatte, Arnold, geboren ca. 1920 und eine Tochter Edit, geboren zirka 1923. Neben seinem zweistöckigen Haus, das fast am Ufer des Flusses stand, befand sich eine Bierstube und eine Kirche. der nachbar des Landwirtes hieß Herr Schuster. Anelia Rudsikewytsch Anelia Rudsikewytsch, 1923 geboren. Sie hat mit ihrer Mutter in einer Bügelei / Wäscherei gearbeitet. Dieser Aufenthalt konnte bereits bestätigt werden. sie hat aber noch in zwei Rüstungswerken gearbeitet, die nicht weit von der Bügelei / Wäscherei, in Rathenow in der Mittelstraße, entfernt waren. Marija Wasilewna Syroamjtnikowa Marija Wasilewna Syroamjtnikowa, 1918 geboren, kam im Alter von 24 Jahren nach Deutschland. Sie hat in einer Fabrik, in der schwarze metallische Rohre geschnitten wurden, gearbeitet. (Wahrscheinlich für Fernrohre oder Ferngläser der Wehrmacht). Es arbeiteten in dieser Firma nur Frauen. Der Lagerarbeiter und der Chef waren Männer. Sie kann sich daran erinnern, dass in der Fabrik eine große Küche war. Wera Stepanowna Taran Wera Stepanowna Taran, (geborene Suprun), geboren am 23. Dezember 1923. Von April 1942 bis zum Herbst 1944 arbeitete die aus der Ukraine verschleppte Wera in einer Brillenfabrik als Schleiferin. Sie wohnte in einer Baracke, die sich auf dem Gelände der Brillenfabrik befand und von Polizisten bewacht wurde. Im Herbst 1944 wurde die Baracke durch einen Bombenangriff zerstört. Danach kam sie in ein anderes Lager. Nach dem Bombenangriff blieb nur das Kellergeschoss bestehen. Dort befand sich eine Maschinenabteilung, wo Wera ihre Arbeit an einer Stanzpresse fortsetzte. Beim Stanzen quetschte sie sich zwei Finger, die ihr dann amputiert werden mussten. Nach ihrer Genesung musste sie Ziegel klopfen. Später kam sie nach Brandenburg in die Weinhandlung "Frau Nellte". Erst im Mai 1945 kehrte sie heim. Helena Pydynowska Helena Pydynowska, geboren am 30. August 1925. Von Oktober 1942 bis Mai 1945 arbeitete Helena als Zwangsarbeiterin aus Polen in der Firma Emil Busch AG in Rathenow. Lybow Wladiminowna Gordijenko Lybow Wladiminowna Gordijenko, geboren am 9.März 1925. Von Mai 1942 bis April 1945 hat sie als Zwangsarbeiterin aus der Ukraine in der optischen Fabrik Franz Rapsch in der Schleiferei als Poliererin gearbeitet. Diese Firma befand sich in der Jahnstraße 5. Sie wohnte in einem Lager. Der Kommandant des Lagers, so erinnert sie sich, hieß Kulbas. Pierre Marly Pierre Marly war 1942 gerade 21 Jahre alt, als der Uhrmacher zur Zwangsarbeit nach Deutschland geschickt wurde. Gearbeitet hat Marly in der Fabrik Emil Busch. Untergebracht waren sie in einem Lager an der Milower Landstraße. Man lebte in kleinen Baracken. Neben Franzosen gab es Holländer, Tschechen und Polen. Bei Busch, schreibt der heute (2002) 80 jährige französische Zeitzeuge, arbeiteten damals viele junge russische Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Sie kamen morgens in einer Reihe und gingen abends in einer Reihe in ihre Lager zurück. Auf ihrer Kleidung trugen sie ein weißes Viereck mit der Aufschrift: OST. Die jungen Frauen hatten eine gute Moral, erinnert sich Marly. Wenn sie in der Nacht gearbeitet haben, hätten sie immer schöne Lieder gesungen. Gab es anfangs noch Gutscheine für die Franzosen und genug zu essen, wurden die Zeiten gegen Kriegsende immer schwieriger. Ab 1944 habe er täglich 12 Stunden arbeiten müssen. Beendet wurde sein Leid als die Russen kamen. Es war der 26. April 1945. Daniel Hendrickx Von 1943 bis Mai 1945 musste Hendrickx, der ebenfalls 21 Jahre jung war, in der Firma Busch arbeiten. Die Zeit in Deutschland war nicht leicht, doch man war jung und manchmal gab es auch Spaß. Das Lager lag zwischen der Landstraße und der Havel. Beigefügt hat der ehemalige farnzösische Zwangsarbeiter seinen Brief an dem Hauptamtsleiter eine Kopie eines Dokumentes. Betriebsführer Seeland der Busch AG bestrafte ihn und seine Kameraden mit Lohnabzug, da sie die Frühstückspause überzogen hatten. Ins Gedächtnis eingebrannt hat sich Hendrickx der 14. Juli 1943. Im Lager hissten zwei Kameraden am Nationalfeiertag der Französischen Revolution eine französische Fahne. Nach dieser, wie Hendrickx schreibt, patriotischen Tat, wurden sie von bewaffneten Soldaten mit Gewehrkolben und Fußtritten zusammengetrieben, um sich eine scharfe Rede eines Offiziers anhören zu müssen. Jadwiga Grudzewska Jadwiga Grudzewska, verh. Woitkowska, geboren am 25. Januar 1923: Jadwiga hat nach eigenen Angaben von Oktober 1940 bis Mai 1941 als polnische Zwangsarbeiterin in Rathenow in der Firma Busch gearbeitet. Im Mai 1941 hat sie ein Telegramm aus Polen erhalten, wo ihr mitgeteilt wurde, dass ihre Eltern schwer erkrankt sind. Deshalb ist sie schon im Mai 1941 nach Hause zurückgekehrt. Sie hat ein Foto mitgeschickt, welches auf der Rückseite einen Stempel eines Fotogeschäftes in Rathenow aufweist. Walentina Wassiljewna Slutzkaja und Lidija Wassilijewna Slutzkaja Walentina Wassiljewna Slutzkaja, verh. Klimenko, geboren am 25. Februar 1928 und Lidija Wassilijewna Slutzkaja, geboren am 18. September 1926: Beide Schwestern wurden am 13.Mai 1942 aus Charkow (Ukraine) nach Deutschland verschleppt. Von Juni 1942 bis Mai 1945 arbeiteten Walentina und Lidija in der Optik - Fabrik Emil Busch. Sie wohnten in einem Lager, in einer Baracke. Sie erinnern sich, dass beide zuerst in einem Lager im wald gebracht wurden, danach in ein anderes Lager, welches nicht weit von der Firma Emil Busch lag. In der Nähe war eine Eisenbahnüberfahrt. Gegenüber der Firma Busch gingen die Zwangsarbeiter in einer Kantine (Stadtcasino) essen. Walentina war als Linsenschleiferin tätig. walentina ist heute sehr krank und braucht die Entschädigung für ihre Medikamente. Deshalb bittet sie sehr um Hilfe , den Aufenthalt in Deutschland für sich und ihre Schwester zu bestätigen. Sinaida Petrowna Wjunenko Sinaida Petrowna Wjunenko, verh. Bersirdjan, geboren 1926: Sinaida wurde am 30. September 1942 aus Swerdlowsk (Ukraine) nach Deutschland verschleppt. Von November 1942 bis April 1945 arbeitete sie in der Optikfabrik Emil Busch. Paul und Otto waren zwei Meister in dieser Abteilung. Ob es sich hierbei um Vor - oder Nachnahmen handelt, ist unklar. Sinaida bittet dringend um eine Bescheinigung, welche ihren Aufenthalt in Deutschland bestätigt. Michail Rasumnyij Michail Rasumnyij, geboren am 12. Januar 1917. Michail ist ein ehemaliger Zwangsarbeiter aus der Ukraine, der in einer Molkerei in einem Dorf bei Rathenow tätig war. Das Dorf war 20 bis 25 Kilometer von Rathenow entfernt. Er erinnert sich nicht mehr an den Namen. Er weiß jedoch, dass der Besitzer der Molkerei ein Herr Schröder war. die Familie von Herrn Schröder bestand aus sechs Personen. Das eine Kind, ein Sohn, hieß Wolfgang. Er war damals 12 Jahre alt. Das andere Kind, eine Tochter, hieß Renate und war damals sieben Jahre alt. Der Nachbar hieß Herr Bolte.
Quellen: Märkische Allgemeine Zeitung, "Westhavelländer", Dienstag 20.November 2001 Märkische Allgemeine Zeitung, "Westhavelländer", Sonnabend/Sonntag 8./9.Dezember 2001 Märkische Allgemeine Zeitung, "Westhavelländer", Sonnabend/Sonntag 15./16.Dezember 2001 Märkische Allgemeine Zeitung, "Westhavelländer", Seite 16, Sonnabend/Sonntag 12./13.Januar 2002 Märkische Allgemeine Zeitung, "Westhavelländer", Seite 16, Sonnabend/Sonntag 26./27.Januar 2002 Märkische Allgemeine Zeitung, "Westhavelländer", Sonnabend/Sonntag 16./17.März 2002
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