Widerstandskreis der Attentäter des 20. Juli 1944

Am 20. Juli 1944 versuchte der Stabsoffizier Claus Graf Schenk von Stauffenberg um 12.42 Uhr den wichtigsten Repräsentanten des NS - Regimes, Adolf Hitler, in seinem Befehlsstand in der "Wolfsschanze" mittels eines Bombenattentates zu beseitigen und so den Weg für eine neue provisorische Reichsregierung freizumachen. Das Attentat und der vorbereitete Staatsstreich scheiterten schließlich, Stauffenberg, viele seine Mitverschwörer und noch mehr vermeintliche Mitverschwörer wurden in einer gnadenlosen Racheaktion - vor dem "Volksgerichtshof" initiiert - vom NS System ermordet.

Heute, mehr als 60. Jahre danach, wird der 20. Juli 1944 als Ehrenrettung des gewissenhaften Deutschen gehandelt und bietet Jahr für Jahr Anlass für Gedenkveranstaltungen und Rekrutengelöbnisse in Stauffenbergs ehemaligen Aktionszentrum im Berliner Bendlerblock. Eine kritische Hinterfragung jener "Männer des 20. Juli" kommt im bundesrepublikanischen Geschichtsbild aber nur schwer zustande bzw. wird nicht gerne gesehen.

Der Personenkreis der "Männer (und Frauen) des 20. Juli" setzte sich aus mehreren Gruppen unterschiedlicher Herkunft und Zielsetzung zusammen, die sich im Rahmen des geplanten Staatsstreiches miteinander vernetzten. So gehörten dem "Kreis der Verschwörer" u.a.

- der zivile Kreisauer Kreis (bürgerlich - aristokratische Nazigegner mit christlicher Motivation)

- die militärische Gruppe um Stauffenberg, von Trescow, Hoepner und Stülpnagel (jüngere Generalstabsoffiziere mit dem Ziel einer Militärregierung mit späterem Übergang zu einer Demokratieform oder zu einem Ständestaat )

- die zivile Gruppe um Carl Friedrich Goerdeler und Ludwig Beck (Vertreter der Industrie und der Großgrundbesitzer mit dem Ziel einer Präsidialregierung oder konstitutionellen Monarchie )

an.

Für die neue Reichsregierung waren insbesondere Repräsentanten der Gruppen um Goerdeler und Beck vorgesehen. Beck sollte so neues Staatsoberhaupt und Goerdeler u.a. Reichskanzler werden. Beide verfassten auch 1941 eine Denkschrift für die Zeit nach Hitler, die sie bezeichnender Weise als "Das Ziel" bezeichnete. Danach sollte beispielsweise als "Reichsführer" ein "Erbkaiser, Wahlkaiser" oder "auf Zeit gewählter Führer" in betracht kommen und  der Geist der klassengelösten Volksgemeinschaft (fortgeführt) werden. Auch eine starken Deutsche Wehrmacht sollte erhalten bleiben und die Anwerbung bzw. Rückforderung von deutschen Kolonien forciert werden. Die Arbeitnehmerrechte (Streikverbot) sollten beschränkt bleiben. Für die Jugend war eine "Staatsjugend" unter Führung eines "in Erziehungsfragen bewährten Generals" vorgesehen, die die Hitlerjugend ersetzen sollte. Weiterhin war die Erhaltung des "Arbeitsdienst" (außer für Mädchen, deren Zukunft in der Haushaltsführung liegen sollte), wiederum  unter Führung eines Generals, vorgesehen.    

Was diese Ziele, die eher die Fortsetzung des Nationalsozialismus mit anderen Mitteln sind,  mit demokratischen Traditionen oder gar antifaschistischen Widerstand zu tun haben, wird hier nicht ersichtlich.

Und auch die wagemutigen Attentäter selbst wurde lange Zeit ziemlich unreflektiert und heroisch betrachtet, obwohl auch sie in die Verbrechen des NS Regimes involviert waren, wie die Beispiele Erich Hoepner und Carl Heinrich von Stülpnagel zeigen.

Erich Hoepner, Oberbefehlshaber der Panzergruppe 4, schwor beispielsweise am Vorabend des "Unternehmens Barbarossa" seine Truppe auf den bevorstehenden Vernichtungskrieg in der Sowjetunion ein. In einem Befehl bezeichnete er den kommenden Krieg als: "Kampf der Germanen gegen das Slawentum" und "Abwehr des jüdischen Bolschewismus". Dieser Kampf müsse "in Anlage und Durchführung von dem eisernen Willen zur erbarmungslosen, völligen Vernichtung des Feindes getragen sein." Verbrecherische Vorstellungen die Hoepner im Kampf gegen antifaschistische Partisanen wahr machen wird, in dem er im November 1941 folgenden Befehl an seine 4. Panzerarmee ausgibt: "Jede Weichheit in der Partisanenbekämpfung muss schwinden. Partisanenverdächtige Elemente sind zu erschießen und nicht an die Gefangenensammelstelle abzuführen."

Carl Heinrich von Stülpnagel war als Militärbefehlshaber in Frankreich (1942 bis 1944) u.a. auch für Judendeportationen und Geiselerschießungen in Frankreich verantwortlich.

Zwei der Randfiguren im Komplex 20.Juli ,Generalfeldmarschall Günther von Kluge und Paul Lejeune - Jung, verbrachten einen Abschnitt ihres Lebens in Rathenow und den umliegenden Dörfern. Ihnen wurden in den Jahren 2004 und 2005 öffentliche Veranstaltungen gewidmet, so dass hier eine nähere Betrachtung dieser beiden Personen notwendig ist.

Generalfeldmarschall Günther von Kluge

Paul Lejeune - Jung

Quellen: Hinter den Kulissen 4/1995, Seite 31 - 32

             Antifaschistisches Infoblatt 65 Ausgabe 1/2005, Seite 37 - 41

             Personenlexikon 1933 - 1945, Hermann Weiß (Herausgeber), Tosa Verlag Wien 2003

             Biographie Erich Hoepner, http://de.wikipedia.org/wiki/erich_hoepner

             Vor 60 Jahren: „Walküre“,  http://www.pds-kreisverband-bernburg.de/BLZ-Dateien/Vor%2060%20Jahren.htm

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