Dienstag 12. April 2005, 16:30 Uhr
Neonazigruppe «Hauptvolk» nach Razzia
verboten
Potsdam (dpa) - Brandenburg hat mit dem Verbot einer rechtsextremistischen
Gruppe einen der größten Schläge gegen Neonazis der vergangenen Jahre in
Deutschlands geführt. Bei einer Razzia wurde das Vereinsverbot gegen die «Kameradschaft
Hauptvolk» und deren Untergliederung «Sturm 27» vollzogen. Wenige Tage vor dem 60. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager
Ravensbrück und Sachsenhausen durchsuchten am Dienstag 300 Polizisten mehr als
40 Objekte. Mit dem Verbot «setzen wir ein deutliches Signal im Kampf gegen den
Rechtsextremismus», sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) in Potsdam. Der
Gruppe sollen etwa 60 Mitglieder angehören. Die Chefin des Verfassungsschutzes Brandenburg, Winfriede Schreiber, wirft
der Kameradschaft vor, die Wesensverwandtschaft und Nähe zum
Nationalsozialismus angestrebt zu haben. Die Beamten hatten ab dem frühen
Morgen vor allem in Rathenow und Umgebung gelegene Objekte durchsucht, aber auch
je eine Wohnung in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Der Verbotsantrag gegen die
im Jahr 2000 entstandene Gruppe wurde am 6. April erlassen. «Die verfassungsfeindliche Betätigung der "Kameradschaft
Hauptvolk" und ihrer Untergliederung waren für den Rechtsstaat nicht länger
hinnehmbar», sagte Schönbohm. In Schriften des «Hauptvolkes» schrieben die
Autoren von «wir Nationalsozialisten» und glorifizierten die SS. Nach Angaben
der Verfassungsschutzchefin sind die Mitglieder des «Hauptvolkes» vor allem männlich,
Mitte zwanzig und jünger. Bei den Hausdurchsuchungen seien mehrere hundert rechte Musik-CDs gefunden
worden, sagte Schreiber: «Musik ist das Transportmittel, das neonazistisches
und nationalsozialistisches Gedankengut in die Köpfe der Jugend transportiert.»
Auch Computer, Schreckschusswaffen, Reichskriegsflaggen, zahlreiche Schriften
und ein Bajonett wurden sichergestellt. Anhand des Materials würden
Straftatbestände geprüft. Festnahmen gab es bisher nicht. Nach Schönbohms
Angaben war die Gruppe für mehrere Angriffe auf linke Gruppen mit Schlagstöcken
und einer Pistole verantwortlich. Im März waren in Berlin zwei Gruppen mit jeweils 10 bis 15 Mitgliedern
verboten worden, 2004 eine in Bayern mit 40 Aktivisten. Bedeutend war auch das
Verbot der «Skinheads Sächsische Schweiz» 2001. Der sächsischen Gruppe
wurden 120 Mitglieder zugeordnet.