Financial Times Deutschland:
Schönbohm verbietet Neonazi-Gruppen
Der
brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm hat zwei Neonazi-Organisationen
mit insgesamt 60 Mitgliedern verboten. Das Innenministerium hält der
Kameradschaft vor, Nazis zu verherrlichen und gegen Juden zu hetzen.
Damit
setze die Landesregierung ein deutliches Zeichen gegen den Rechtsextremismus,
sagte der CDU-Politiker. Der demokratische Staat müsse "seine Waffen im
Kampf gegen die Feinde der Freiheit konsequent einsetzen". Vor dem Verbot
hatte eine massives Polizeiaufgebot die Wohnungen von etwa 40 Neonazis
durchsucht.
Die
jetzt verbotenen Gruppen sind seit vier Jahren vor allem in Rathenow und
Umgebung aktiv. Die Kameradschaft "Hauptvolk" und deren
Unterorganisation "Sturm 27" seien in den vergangenen Jahren für
zahlreiche Gewalttaten und Propagandadelikte verantwortlich gewesen, sagte Schönbohm.
Deren Mitglieder überfielen Linke, schikanierten Asylbewerber, hetzten gegen
Juden, leugneten den Holocaust und verherrlichten Nazi-Größen.
Neonazis
sollten Asylbewerber schützen
Mitglieder
beider Organisationen sollen in den vergangenen Jahren mehrfach linke
Jugendliche überfallen und verprügelt haben. Ausgerechnet einige "Hauptvolk"-Mitglieder
waren zudem als Mitarbeiter einer Security-Firma in Rathenow mit der Bewachung
des örtlichen Asylbewerberheimes beauftragt. Dabei hätten sie die ausländischen
Flüchtlinge schikaniert. Erst nach öffentlichen Beschwerden der Heimbewohner
war das Unternehmen abgelöst worden.
Erneut
mahnte der Innenminister stärkeres gesellschaftliches Engagement gegen Neonazis
an. Mit massivem Verfolgungsdruck von Verfassungsschutz und Polizei könnten
rechtsextremistische Strukturen zerschlagen, nicht aber entsprechendes
Gedankengut beseitigt werden, sagte er. Schulen und Eltern müssten genauso wie
Politik, Kirchen und Vereine ihre Verantwortung wahrnehmen.
ftd.de,
12.04.2005
© 2005 Financial Times Deutschland, © Illustration: AP