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Schlag gegen Neonazis - Waffen und rechte CDs locken Jugendliche

Von Matthias Schröter, dpa Rathenow/Potsdam (dpa) - Es war kalt und dunkel, als rund 300 Polizisten im brandenburgischen Rathenow und Umgebung eine Razzia gegen die «Kameradschaft Hauptvolk» und deren Untergliederung «Sturm 27» starteten. Der Einsatzbefehl war gegen 5.00 Uhr per Funk gekommen. Ausgerüstet mit schusssicheren Westen verschafften sich die Männer Einlass in mehr als 40 Wohnungen. Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hatte schon am 6. April ein Verbot der Gruppierungen erlassen. Am Dienstag wurde es vollstreckt.

Wenige Stunden nach Beginn der Razzia kann sich Schönbohm ein Bild von den Waffen und Devotionalien der Neonazis machen: Im Innenministerium hängen Reichskriegsflaggen an einer Tafel; Übungsmunition liegt neben rechten Schriften, einem Bajonett, einem Klappmesser, einem Schlagring, Mützen und Sweat-Shirts mit der Aufschrift «Hauptvolk». An der Wand steht eine Leinwand mit einem gemalten Halbkörper-Porträt Hitlers. Das Buch «Mein Kampf» liegt vor einem Laptop - Zeichen eines unheilvollen Schulterschlusses der Vergangenheit mit der heutigen Zeit. Und das nur wenige Tage vor dem 60. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen.
Bei besonders vielen Fundstücken handelt es sich um Musik-CDs. Mehrere hundert davon wurden gefunden, auf denen rechtsextreme Musik vermutet wird. Sie werden jetzt ausgewertet und auf den Straftatbestand der Volksverhetzung untersucht. «Musik ist das Transportmittel, das neonazistisches und nationalsozialistisches Gedankengut in die Köpfe der Jugend transportiert», sagte die Chefin des Verfassungsschutzes Brandenburg, Winfriede Schreiber.
Schreiber sagte, die Mitglieder der Gruppen hätte Musik getauscht, gehandelt und auch aus dem Ausland heruntergeladen. Ob rechtsextreme Musik produziert wurde, werde geprüft. Ob es einen Vertrieb gab, sei unklar. Schönbohm betonte: «Wir müssen sehen, wie wir gegen diese Szene vorgehen.» Polizei und Verfassungsschutzes könnten nur die rechtsextremen Strukturen zerschlagen - nicht aber extremistisches Gedankengut in den Köpfen beseitigen. «Politik, Kirchen, Vereine, Schulen und Eltern müssen sich einsetzen.»
Es war einer der größten Schläge gegen Neonazis der vergangenen Jahre in Deutschland. Im März waren in Berlin zwei Gruppen mit jeweils 10 bis 15 Mitgliedern verboten worden, 2004 eine in Bayern mit 40 Aktivisten. Die «Skinheads Sächsische Schweiz» wurden 2001 verboten. Der Gruppe aus dem Havelland sollen etwa 60 Mitglieder angehören - vor allem männlich, Mitte zwanzig und jünger. Festnahmen gab es noch keine. Nach Angaben des Verfassungsschutzes hatten die Neonazis «keine intensiveren» Verbindungen zu weiteren rechten Gruppen. Zugeschlagen haben ihre Mitglieder aber wohl immer wieder - so ging es mit Schlagstöcken gegen linke Gruppen. 

Dienstag, 12. April 2005

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