Brandenburger Wochenblatt:

NPD will Parteigliederung in Rathenow gründen

Golze: Demokratischer Widerstand nötig

Rathenow (hüb). Die NPD plant in der havelländischen Kreisstadt Rathenow, einen Stadtverband zu gründen. Darauf sollen sich NPD-Mitglieder der rechtsextremen Partei am Montag in Rathenow verständigt haben. Sie trafen sich auf dem Soldatenfriedhof auf dem Weinberg und legten am Gedenkkreuz einen Kranz nieder. Mit dieser Aktion wollte die NPD an den Bombenangriff am 18. April 1944 auf Rathenow erinnern. Unter den NPD-Funktionären befand sich u.a. der stellvertretende Landesvorsitzende Detlef Appel.

Nach Bekanntwerden der NPD-Aktivitäten in Rathenow hat die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Diana Golze (PDS) in einer Pressemitteilung zum „demokratischen Widerstand“ aufgerufen. „Die Gründung einer Ortsgliederung der rechtsextremen NPD muss für alle demokratischen Parteien ein Signal sein, gemeinsam und konsequent gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit aufzutreten. Gerade im 60. Jahr der Befreiung vom Faschismus ist dies eine dringende Aufgabe von uns allen“, so die SVV-Vorsitzende.

Rathenows Bürgermeister Ronald Seeger (CDU) will das Agieren der NPD in der havelländischen Kreisstadt zum Anlass nehmen, „noch mehr Präventionsarbeit mit Jugendlichen zu leisten“. Seeger setzt in diesem Zusammenhang auf die Zusammenarbeit mit den Schulen und der Polizei. Die Stadt sei im Kampf gegen Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit und Gewalt „gut positioniert“, so der Bürgermeister. Man könne u.a. auf die Erfahrungen des Ausschusses „Tolerante Stadt Rathenow“ zurückgreifen, so der Rathaus-Chef.

Der Rathenower PDS-Landtagsabgeordnete Christian Görke vermutet einen Zusammenhang zwischen dem kürzlich verhängten Verbot der in der Region Rathenow agierenden Kameradschaften „Hauptvolk“ und „Sturm 27“. „Ich gehe davon aus, dass nach dem Verbot nun neue Strukturen geschaffen werden sollen“, so der Landtagsabgeordnete. Er plädiert für eine offene Auseinandersetzung mit der NPD. „Wegschauen abwiegeln ist keine Lösung“, so Görke, der die NPD als gefährlicher für die Demokratie einschätzt als die DVU, die seit 1999 im Potsdamer Landtag sitzt.

Konkrete Erkenntnisse, ob sich Mitglieder der beiden verbotenen Kameradschaften künftig in Ra6thenow in der NPD engagieren werden, gibt es bislang nicht. Allerdings sollen Jugendliche aus der rechtsextremen Szene Kontakt zur NPD pflegen.

Die NPD-Funktionäre, die die Gründung des Rathenower Stadtverbandes ankündigten, sollen geäußert haben, dass ihre Aktivitäten nicht mit dem Verbot der Kameradschaften „Hauptvolk“ und „Sturm 27“ in Verbindung stehen. 

24.04.2005

siehe auch: NPD beschloss Gründung des Stadtverbandes Rathenow

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