MAZ:

Strafanzeigen gegen "Hauptvolk" - Neonazis

Ministerium zieht erste Konsequenzen nach Verbot der Rathenower Kameradschaft

von Frank Schauka

POTSDAM Nach dem spektakulären Verbot der rechtsextremistischen Kameradschaft "Hauptvolk" und ihres Jugendverbandes "Sturm 27" in Rathenow und Premnitz (Havelland) hat das Innenministerium bisher zehn Strafanzeigen bei der Staatsanwaltschaft Potsdam gestellt. Nach Auskunft von Innenstaatssekretär Eike Lancelle betreffen allein sechs Strafanzeigen einen Verstoß gegen das Waffengesetz.

Bei der Razzia wurden nicht nur diverse Messer sichergestellt, sondern auch eine Übungshandgranate und eine Pistole mit Magazin samt Patronen. Nach Einschätzung des Ministeriums liegt in dem "betroffenen Personenkreis ein hohes Gewaltpotential" vor. Insgesamt wurden in den 41 am 12. April durchsuchten Objekten etwa 5500 Asservate beschlagnahmt. Mehr als 300 Polizeibeamte waren an der Aktion beteiligt. Es war das dritte Verbot einer rechtsextremen Kameradschaft seit der Wende.

Das Ergebnis der Razzia bestätige, "dass wir die richtigen Leute im Blick hatten", so Lancelle. In jeder der durchsuchten Wohnungen habe die Polizei Gegenstände entdeckt, aus denen eine rechtsextreme Weltanschauung abgeleitet werden könne.

Bisher liegen nach Lancelles Angaben keine Hinweise vor, dass Mitglieder der verbotenen Kameradschaft ihre Aktivität gegen die demokratische Grundordnung in anderen Organisationen fortsetzen. Die Polizei sei "angewiesen, das Vereinsverbot mit aller Konsequenz umzusetzen". Das Innenministerium setzt allerdings auch auf den Abschreckungseffekt des Vereinsverbots. Bei einer Verletzung des Verbots droht eine empfindliche Freiheitsstrafe. Im Umkreis der Kameradschaft "Hauptvolk" hätten sich zahlreiche Jugendliche bewegt, die möglicherweise noch nicht ideologisch gefestigt waren und sich deshalb von einem Vereinsverbot abschrecken ließen, so Lancelle.

Der nur wenige Tage nach dem Verbot von "Hauptvolk" in Rathenow neu gegründete Stadtverband der rechtsextremen NPD hat nach Erkenntnissen des Innenministeriums bisher nicht die Funktion, als Sammelbecken für jetzt vereinslose Neonazis zu dienen. Derzeit gebe es keine Indizien, dass ehemalige Mitglieder von "Hauptvolk" und "Sturm 27" in die NPD eintreten. Einzelpersonen hatten zwar auch schon vor dem Vereinsverbot Kontakte zur NPD, doch eine konzeptionelle, strategische Zusammenarbeit habe es nicht gegeben.

MAZ, 04.05.2005

zurück