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Aktuelles Februar 2006 =============================================================================================================================== Nichts gelernt Serie rassistisch motivierter Gewalt in Rathenow Im Jahre 2000 veröffentlichte ein Flüchtlingskollektiv des Rathenower Asylbewerberheims am Birkenweg ein bundesweit beachtetes Memorandum. Hierin baten sie nach brutalen rassistisch motivierten Gewaltattacken um eine Verlegung ihrer Wohnunterkunft in eine andere Stadt außerhalb des Landes Brandenburg. Betroffenheit und Mitgefühl folgten in der nun folgenden öffentlichen Diskussion, ein Forum „Tolerante Stadt Rathenow“ wurde initiiert und eine Unternehmerinitiative gegen Rechtsextremismus medienwirksam gefeiert. Sechs Jahre und zwei verbotene Kameradschaften später sind Rassismus und Nazismus in Rathenow – im Gegensatz zu den bürgerlichen und administrativen Gegeninitiativen – immer noch spürbar vorhanden. Inzwischen hat sich nämlich eine neue Generation rechtsextremer Gewalttäter gefunden und in der Szene etabliert, die da ansetzen wo ihre „verbotenen“ Vorbilder „aufgehört“ haben. „Weisse Wölfe“ und „Anti – Antifa Rathenow“ hauchen so dem rechtsextremen Komplex im Raum Rathenow neues Leben ein. Und was zunächst mit dem streuen von Nazipropaganda und Provokationen auf Stadt – und Dorffesten begann, steigert sich nun hinsichtlich der Gewaltbereitschaft progressiv. Besonders bemerkenswert ist dabei wieder die zunehmend rassistische Motivation der braunen Schläger. Seit Anfang 2006 gab es so allein in Rathenow drei bewaffnete Übergriffe mit eindeutig rassistischem Hintergrund. Am Freitag, den 20. Januar 2006, wurden zwei Jugendliche dunkler Hautfarbe von mehreren Rechtsextremisten im Bereich der Diskothek Remix / Dance House in der Berliner Straße mit mindestens einem Messer bedroht, angepöbelt und anschließend bis in die Puschkinstraße verfolgt. Am ersten Februarwochenende 2006 griffen mehrere, zum Teil vermummte Nazis in der Engelsstraße, Höhe Einfahrt Diskothek Remix / Dance House, einen dunkelhäutigen Jugendlichen in Begleitung eines jungen Mädchens an und verletzten beide durch Schläge ins Gesicht. In der Nacht vom 18. zum 19. Februar 2006 beschimpften zwei Rechtsextremisten zunächst einen 15-jährigen Jugendlichen mit dunkler Hautfarbe in der Nähe einer Disko am Heimstättenweg und sprühten ihm anschließend Pfefferspray in Gesicht. Zwar wird nach bisherigem Erkenntnisstand in zwei der drei genannten Übergriffe bereits polizeilich gegen die namentlich bekannten Täter aus der rechtsextremen Szene ermittelt, in der offiziellen Berichterstattung aber nur von einem Streit unter Jugendlichen berichtet. Der rassistische Hintergrund der Taten wurde nicht thematisiert. Sechs Jahre nach dem viel beachteten Flüchtlingsmemorandum und vier Jahre nach den letzten rassistisch motivierten Übergriffen zwingt sich der Eindruck auf, dass es sich Rathenow, in diesem Jahr auch Ausrichter der Landesgartenschau, offenbar leisten kann solche gefährlichen Tendenzen zu ignorieren.
Antifaschistische Recherchegruppe, 2006.02.26 =============================================================================================================================== Kampagne gegen Nazitreffpunkte gestartet Im Raum Rathenow – Premnitz startete gestern die Kampagne „Schöner Wohnen ohne Nazizonen“. Mit vielfältigen Aktionen soll in den nächsten Wochen auf die kontinuierlichen Aktivitäten der regionalen Neonaziszene, die in der Region trotz den Verboten der beiden Kameradschaft „Hauptvolk“ und „Sturm 27“ im letzten Jahr nicht abebbten, aufmerksam gemacht werden. Schwerpunktmäßig richtet sich die Kampagne gegen die vom Verbot nicht betroffenen Basis – und Koordinierungspunkte der Havelländischen Kameradschaften. Beispielsweise wurden so weder der Treffpunkt des „Sturm 27“ in einer Gartensparte in Rathenow – Nord, noch der Kampfsportraum hinter dem Rathenower Rathaus enteignet bzw. das Mietverhältnis gelöst. Sogar eine neue äußerst bedenkliche Räumlichkeit in der Schlachthausstraße im nördlichen Rathenow konnte eingerichtet werden, ohne dass sich jemand daran störte. Hier probt seit geraumer Zeit eine vom örtlichen NPD Stadtverband geförderte Nazimusikgruppe, die früher in einem ehemaligen Brauereigelände aufspielte. Bemerkenswert ist vor allem, dass es sich im Fall Schlachthausstraße um eine riesige Lagerhalle handelt, die auch für die Ausrichtung von Konzerten geeignet ist. Die Reorganisation bzw. Expansion der Neonaziszenerie im Raum Rathenow - Premnitz schreitet so, von deren Treffpunkten ausgehend, weiter fort. Das Ziel der Kampagne „Schöner Wohnen ohne Nazizonen“ kann deshalb nur die Schließung aller Nazitreffpunkte im Raum Rathenow – Premnitz sein. Nazitreffpunkte dichtmachen! Schöner Wohnen ohne Nazizonen! Antifaschistische Gruppen im Westhavelland, 20. Februar 2006 =============================================================================================================================== Die rechtsextreme Szene in Premnitz Gewaltbereite Jungnazis artikulieren sich vermehrt im Stadtbild / Mitglieder verbotene Kameradschaften im Hintergrund aktiv In den letzten Monaten wird in Premnitz eine immer aktiver werdende rechtsextreme Jugendszene beobachtet, die sich sowohl in ihren politischen Ausdruck als auch in deren Handlungen zunehmend radikalisiert. Seit Anfang 2006 werden so fast täglich Aufkleber des „Wikingerversandes“ entfernt, in denen die Alliierten des zweiten Weltkrieges als „Mörderbande“ verunglimpft werden und die Freiheit von inhaftierten Nazis gefordert wird. Zudem sind auch offenbar selbst angefertigte klebende Zettel mit Parolen wie „Deutschland den Deutschen“ und „Frei, Sozial, national“ einer Gruppe namens „NFH“ im Umlauf. Bis zum heutigen Tage wurden allein in den Monaten Januar und Februar 2006 mindestens 166 Aufkleber in Premnitz entfernt – mehr als im gesamten Jahr 2005. Schwerpunktbereich dieser Propaganda sind die Straßen am und um den Marktplatz. Hier trifft sich auch fast täglich die jugendliche Naziszenerie (15 – 18 Jahre). Einige der sich dort aufhaltenden Jugendlichen, die namentlich bekannten Christopher R. und Ramon K. wurden dabei bereits öfters beim anbringen von rechtsextremer Propaganda beobachtet. Auch so genannten Propagandastraftaten, wie das skandieren von verfassungswidrigen Parolen, kann diesem Personenbereich nachgewiesen werden. Am Mittwoch, dem 1. Februar 2006, gegen 1.30 Uhr morgens, wurde beispielsweise zwei Rechtsextremisten, darunter Ramon K., in der Gerhart Hauptmann Straße festgestellt und später angezeigt, die im angetrunkenen Zustand nun Naziparolen riefen. K. dürfte bereits – trotz seines jugendlichen Alters – einschlägig polizeibekannt sein. Im Juni waren er und seine Freunde vom Marktplatz u.a. an einem versuchten Brandanschlag auf den Jugendclub Premnitz beteiligt. Verstärkung hatten sie sich dabei von Gleichgesinnten aus Brandenburg/Havel erbeten, wie die Schutzbereichsleiterein der havelländischen Polizei, laut Märkischer Allgemeiner Zeitung vom 18. Februar 2006, unlängst vor der Premnitzer Stadtverordnetenversammlung bestätigte. Weitere feste Verbindungen bestehen zu jugendlichen Nazis aus Rathenow, mit denen sich vor allem am Wochenende im Umfeld einer Großraumdiskothek im Stadtzentrum getroffen wird. Hier kam es in denen letzten Wochen zu mindestens zwei rassistisch motivierten Gewaltübergriffen durch die Rathenower Jungnazis. Das auch die Premnitzer Gruppe daran beteiligt war bleibt offen, deren ausländerfeindliche Gesinnung, die durch Aufkleber mit Parolen wie „Ausländer rein – wie sagen nein“ unterstrichen wird, und deren Aggressivität stellt aber zumindest ein Gefahrenpotential dar. Zu unterstellen ist weiterhin, dass die jungen Nazis aus Premnitz von örtlichen Mitgliedern der verbotenen Kameradschaft „Hauptvolk“ gefördert werden. Im Vorfeld des versuchten Brandanschlages auf den Jugendclub, gab es mindestens ein Treffen. Außerdem soll Christopher R. schon mit einer „Hauptvolk“ – Mütze gesehen worden sein. Die bekannten Premnitzer Mitglieder der Kameradschaft „Hauptvolk“ selber treten jedoch nur noch selten offen in Erscheinung und verlagern ihre Aktivitäten eher in den Hintergrund. Während des Jahreswechsels 2005/2006 soll so im kameradschaftsnahen Treffpunkt „Lindenhof“ eine Feier von Hauptvolkmitgliedern und Rechtsextremisten aus Sachsen - Anhalt stattgefunden haben. Das Premnitzer Mitglied der Kameradschaft „Hauptvolk“, Jens R., wurde am 3. Februar 2006 im Rahmen eines Fußballspiels gegen eine Auswahl aus Vieritz für die Kameradschaftseigene Fußballmannschaft „Sportvolk“ aufgestellt und eingesetzt. Mindestens ein Mitglied der verbotenen Kameradschaft „Hauptvolk“ wurde auch wieder für den berüchtigten Premnitzer Sicherheitsdienst „Security Zarnikow“ eingesetzt. Im Rahmen des Fußballtestspiels TSV Chemie Premnitz gegen den 1. FC Union Berlin, wurde so Kay B. als Wachmann erkannt, der erst am 17. Februar 2006 wieder für „Sportvolk“ im Spiel gegen eine Mögeliner Mannschaft im Tor stand. B. arbeitete bereits im Zeitraum von 1999 bis 2003 für „Security Zarnikow“. Er und einige seiner Gesinnungsgenossen wurden entlassen, nach dem der Wachschutz eben wegen seiner kameradschaftlichen Mitarbeiter, nach einem Flüchtlingsmemorandum und einem Zeitschriftenbericht kritischer Journalisten, vom Rathenower Flüchtlingsheim abgezogen werden musste. Antifaschistische Recherchegruppe, 2006.02.18 |