| Hintergrund:
Artikel der "Märkischen Allgemeinen
Zeitung" vom 27. Februar 2007
Prozess nach vereiteltem
Brandanschlag
Staatsanwalt:
Rechtsextreme planten Überfall auf Jugendzentrum in Premnitz
PREMNITZ/POTSDAM An
den Großeinsatz der Polizei am Premnitzer Jugendklub im Sommer 2005 kann
man sich in der kleinen Stadt noch gut erinnern. Mit einem Großaufgebot
verhinderte die Polizei seinerzeit einen Brandanschlag auf das
Jugendzentrum.
Derzeit müssen sich
deshalb elf junge Leute im Alter von 18 beziehungsweise 19 Jahren vor
dem Landgericht Potsdam zum Vorwurf der "Verabredung zu einem
Verbrechen" verantworten.
In der Nacht zum 4.
Juni 2005 hatten Zeugen die Polizei angerufen, weil sie am Jugendzentrum
Personen gesehen hatten, die sich auffällig verhielten. Rund 16 junge
Leute im Alter von 15 bis 23 Jahre hatten sich am See in der Nähe des
Jugendzentrums versammelt. Als die Polizei die Gruppe kontrollierte,
fanden die Beamten einen Baseballschläger, zwei Brandsätze und
Benzinkanister. Daraufhin ließ die damals verantwortliche Leiterin des
Polizeischutzbereichs 80 Kriminal- und Schutzbeamte in Premnitz
anrücken. Diese durchsuchten insgesamt 18 Wohnungen. Dabei fanden die
Kriminalisten Skimasken und Wollmützen mit Sehschlitzen sowie zahlreiche
Aufnäher und Flyer mit dem Aufdruck "Ich bin stolz ein Deutscher zu
sein".
Der große Teil der
Jugendlichen – so stellte sich heraus – war schon früher wegen
Körperverletzungsdelikte oder anderer rechtsextremer Propagandadelikte
aufgefallen. Die jungen Leute hatten reichlich Alkohol getrunken.
Anschließend habe man sich verabredet, einen Brandanschlag auf das
Premnitzer Jugendzentrum zu begehen, in dem sich in dieser Nacht noch
einige Personen befanden.
Die Rechtsextremen
wollten sich – so fand die Polizei heraus – rächen. Am 27. Mai 2005
hatten Jugendliche aus der linken Szene, die regelmäßig den Premnitzer
Klub besuchen, zwei Gegner aus dem rechtsextremen Lager verprügelt und
verletzt.
Nach der
Polizeiaktion im Juni 2005 wurden zehn der 16 Jugendlichen dem
Haftrichter vorgeführt. Insgesamt erließ dieser acht Haftbefehle, von
denen jedoch sechs mit strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt wurden.
Zwei Verdächtige blieben in Haft, insgesamt wurden 14 von 16 Tätern nach
Hause entlassen.
Bei dem Prozess vor
dem Landgericht Potsdam geht es nicht um versuchte Brandstiftung, weil
die Angeklagten von ihrem Vorhaben, den Klub in Brand zu setzen, Abstand
genommen haben, nachdem sie die Polizeistreifen entdeckt hatten.
Insgesamt hat das
Gericht für das Verfahren zehn Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil
soll Anfang April gesprochen werden. Ob die Angeklagten auch den
verbotenen Kameradschaften "Sturm 27" und "Hauptvolk" zuzurechnen waren,
bestätigte die Polizei nach der Tat nicht. wil |