Aktuelles September 2006

  Die Kreide im Hals  
     
  "Nationaler Widerstand Premnitz" ruft zum "friedlichen" Kampf auf / Gewalttätiger Übergriff am Samstagmorgen  
     
 

In Premnitz ist seit dieser Woche offenbar eine weitere rechtsextremistische Gruppierung aktiv, die der Region, laut Selbstdarstellung, einmal mehr eine Vision von Volksgemeinschaft, "nationalen Sozialismus" und ähnlichen Übelkeiten aufdrücken will.
Das Projekt nennt sich offiziell "Nationaler Widerstand Premnitz" und ist somit zumindest nicht namentlich durch Machenschaften im illegalen oder halblegalen Bereich vorbelastet. Das sich unter diesem Label bekannte Rechtsextremisten verbergen, ist jedoch mehr als wahrscheinlich, da sich Mitglieder der Gruppierung "Nationalen Sozialisten Premnitz" sich bereits freimütig zu diesem neuen Projekt bekannten.
Die Wortgruppe "Jung, weiß und stolz", die den Besucher bereits auf der Startseite ins Auge fällt, deutet aber auch auf die Involvierung von Mitgliedern der Kameradschaft "Hauptvolk" bzw. der enge Kontakt und die Wesensverwandtschaft der Gruppe zu dieser verbotenen Vereinigung hin.

Bemerkenswert ist auch der erste bekannte Versuch von Rechtsextremisten in der Region sich unter der Rubrik "Wer wir sind" eine Art Satzung zu geben, mit der deren Wirken und deren Ziele schriftlich manifestiert werden sollen. Allerdings wurde sich dabei allzu offensichtlich anderer Quellen bedient, womit die Gruppe nicht einmal dem Einleitungszitat auf der Startseite: "Nachdenken statt Nachreden" treu bleibt.

Besonders interessant ist in jener Selbstdarstellung aber die Aussage, dass sich der "Nationale Widerstand Premnitz" in der Wahl seiner Mittel "natürlich völlig friedlich" und "gewaltfrei" gibt, obwohl diese Schutzbehauptung doch schon vom Symbol der Gruppierung, eine Person, die unter der Überschrift "Good Night left Side", mit einem HC für "Hatecore" auf dem Oberkörper eine andere  Person mit einem roten Stern wahlweise tritt oder mit einem Stuhl traktiert, konterkariert wird.

Und das solche Gewaltszenen entgegen den Heucheleien des "Nationalen Widerstandes Premnitz" weder friedlich ablaufen, noch reine jugendtypische Fantasien sind, bewies ein Teil der Gruppe am gestrigen Samstagmorgen.
Gegen 3.00 Uhr schlichen sich ca. 15 zum Teil vermummte Rechtsextremisten  in Richtung eine eher alternativen Diskothek am Friedrich Ebert Ring. Dort griffen sie, von einem abgedunkelten Weg kommend, hinterrücks eine Gruppe alternativer Jugendlicher - im Jargon des "Nationalen Widerstandes Premnitz" vermeintlich "verwirrte rote Meinungsantifaschisten" und "Feinde unseres Volkes" - an, die vor der Diskothek verweilten und verletzten dabei u.a. einen jungen Mann derart, dass er in der Rettungsstelle behandelt werden musste. Bei dem Angriff wurden zu dem  Flaschen und Steine von den Rechtsextremisten geworfen und Fahrräder demoliert. Die Angegriffenen, darunter auch junge Frauen, blieb nur der Rückzug in die Diskothek, die nun ebenfalls mit Wurfmaterial attackiert wurde. Die Türsteher verständigten schließlich die Polizei.
Drei mutmaßliche Mitglieder der Gruppierung "Nationale Sozialisten Premnitz" / "Nationaler Widerstand Premnitz" und zwei Mitglieder der "Anti Antifa Rathenow" wurden bei dem Angriff erkannt. Gegen sie wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

 
     
 
 
     

Bild 3: Ehemaliger Pkw eines "Hauptvolk" Mitgliedes aus Premnitz. Am Heck befindet sich die Wortgruppe "Jung, weiß & stolz" unter dem Kameradschaftsname.

 

Bild 4: Bildschirmkopie (Ausschnitt) der Internetseite des "Nationalen Widerstandes Premnitz". Die Wortgruppe "Jung, weiss und stolz" wurde in die obere Explorerzeile eingefügt.

 
     
  Antifaschistische Recherchegruppe, 2006.09.17  
     
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  Gefährliche Clowns  
     
  NPD sucht Konfrontation in Rathenow und verbreitet absurde Gerüchte  
     
 

Ist die NPD eine ernstzunehmende Partei oder ist sie ein Zirkusverein? Dies könnte die aktuelle Frage im Zusammenhang mit den hanebüstenden Pressemitteilungen auf der Brandenburger Subdomain der NPD Internetpräsentation sein, mit der ein/e "D.Reichert" seit Anfang September versucht Stimmung gegen Linke und den Bürgermeister der Stadt Rathenow zu provozieren.

Zunächst begann die verbale Offensive des Herrn/der Frau Reichert noch relativ sachlich, jedoch bereits provokant am 2. September mit  einem Artikel zu einem rechtsextremistischen Fußballhallenturnier in Rathenow.  Dem in Gründung befindlichen Fußballverein "Sportsfreunde Rathenow 06" war es dabei mit anwaltlicher Hilfe gelungen, konträr zur kurzfristigen  Kündigung des Veranstaltungsortes durch den Bürgermeister, die Halle als Austragungsort seiner Veranstaltung durchzusetzen und den Potentaten der Stadt zu blamieren.

Daraufhin folgten Presseberichte zu dem Turnier, welche auf Erkenntnisse des polizeilichen Staatsschutzes als auch der Antifa beruhten und den neuen Verein sowie mindestens eine der teilnehmenden Mannschaften als (Nachfolge)strukturen verbotener Kameradschaften aus dem Westhavelland entlarvten.

Selbstverständlich dementierte "D.Reichert" wohlweislich umgehend am 6. September 2006 die Presseberichte, weil sich ein Verein der als Ersatz für verbotene Organisationen fungiert bekanntlich strafbar macht. Der Verhöhnung des Bürgermeisters im ersten Artikel folgte nun die Diskreditierung des linken Webportals "Inforiot" und der "Antifa Westhavelland". Dummerweise teilte der polizeiliche Staatsschutz jedoch ebenso die Erkenntnis der linken Gruppen und spielte der Märkischen Allgemeinen Zeitung ähnliche Informationen zu.
Die Argumentation Reicherts bricht somit allein schon beim lesen der Tagespresse zusammen, weshalb es auch keine gesonderte Reaktion der Antifa auf dessen lächerlichen Artikel erforderlich war.

Nun spritzte der NPD - Mann / die NPD - Frau erneut mit Gift um Linke in Rathenow zu verunglimpfen und das Bündnis "Rathenow zeigt Flagge" zu entzweien. Mit degressiven Niveau und mitunter dem Straftatbestand der Verleumdung erfüllenden Gerüchten versucht Reichert unter der Überschrift "Links, links, um die Ecke stinkt’s… in Rathenow" in einem Artikel vom 10. September 2006 allen Ernstes den Betreibern des Alternativen Jugend Zentrums in der Rathenower Goethestraße  zu unterstellen, dass sie ihre Betriebskosten angeblich nicht begleichen können und deshalb die Stadt erpressen, während "tolerante" Nationalisten nicht einmal ein ach so friedliches Fußballspiel veranstalten dürften.

Natürlich entbehren Gerüchte hinsichtlich nicht bezahlter Betriebskosten oder sonstiger Erpressungen jeglicher Grundlage, was auch Reichert wissen müsste. Seine Argumentation scheint diesbezüglich ohnehin unsicher und ist aufgrund des Fehlens tatsächlicher Anhaltspunkte für seine Behauptungen eher vorsichtig fragend formuliert.
Da er aber trotzdem an der Veröffentlichung seines Märchens festhielt und sich so zum Zirkusclown macht, könnte die einzig gerechtfertigte Reaktion über "D.Reichert" und sein "Werk" eigentlich nur ein lautes Lachen sein.

In Anbetracht der aktuellen Situation, wo beispielsweise der Wahlkampf mehr im Sinne von Kampf als im Sinne von Wahl genutzt wird und NPD Sympathisanten in Berlin und Mecklenburg - Vorpommern Wahlhelfer anderer sich am demokratischen Wahlprozess beteiligende Parteien einschüchtern und zum Teil mit brutaler Gewalt angreifen, sollten Mitteilungen, wie die, die D.Reichert in den letzten Tagen formulierte, mit gewisser Sorge beachtet werden. Es währe ja nicht das erste mal, wenn einer der vielen gewaltbereiten RechtsextremistInnen in der Region dessen Worte all zu Ernst nimmt und im Eindruck dieser Hetze sowie unter der Zuhilfenahme von Alkohol meint "Deutschland" oder das Westhavelland wie auch immer erretten zu müssen.

 
     
  Antifaschistische Gruppen im Westhavelland, 2006.09.13  
     
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  Aktion zum Todestag von Rudolf Heß in Premnitz unterbunden  
     
 

Zum 19.Todestag von Rudolf Heß, am 17.August 2006, tauchten in Rathenow in hoher Zahl erst Aufkleber und später Plakate eines "Nationalen und Sozialen Aktionsbündnisses Mitteldeutschland" (NSAM) auf, die den NS Kriegsverbrecher verherrlichten und seinen Suizid als Mord auslegten. Premnitz  blieb jedoch vorerst verschont.

Erst am 31. August 2006 wurden zahlreiche Plakate, ebenfalls dem NSAM zuordnebar, an Straßenlampen am Ortsausgang von Premnitz in Richtung Döberitz festgestellt, die den Tod von Rudolf Heß (auf dem Plakat betont mit Doppel S geschrieben) als unbewiesenen Mord anklagen.

Bemerkenswert bei der Aktion ist, dass die Plakate auf Pressplatten aufgeklebt wurden, wie sie etwa für Wahlplakate benutzt werden. Ob die Platten gestohlen wurden, ist jedoch zurzeit noch unklar. Fest steht aber, dass die Strecke öfters für Propagandaaktionen der "Nationalen Sozialisten Premnitz" genutzt wird. An den dortigen Straßenlampen und Verkehrsschildern entlang eines parallel zur Bundesstraße 102 verlaufenen Radweges werden so immer wieder Aufkleber dieser (neo)nazistischen Gruppierung und auch des rechtsextremistischen "Wikingerversandes" festgestellt.

Die Plakate wurden übrigens sofort entfernt, ebenso wie ähnlich aufgemachte Aufkleber.

Die Premnitzer Naziszene sollte wissen, das wir Aktionen die Verbrechen oder Verbrecher des NS Regimes verherrlichen oder verharmlosen nicht hinnehmen sondern entschlossen entgegenwirken.

Nie wieder Faschismus!

 
     
 
 
   
Bild 2: In Premnitz entfernte Plakate zum Todestag des NS Kriegsverbrechers Rudolf Heß  
 
     
     
  Antifaoffensive Westhavelland und Antifajugend Premnitz, 2006.09.06  
     
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  Ein Fußballturnier und die Würde des Menschen  
     
  NPD verhöhnt Rathenower Bürgermeister / (Neo)nazis organisieren sich gegen staatliche Repression  
     
 
 

Über einen angeblichen "1:0" Sieg gegen die Stadt Rathenow schrieb ein "D.Reichert" unlängst auf der Brandenburger Subdomain der NPD - Internetseite betreffs eines gerichtlich durchgesetzten Fußballturnieres am 2. September 2006 in der Havellandhalle in Rathenow.

Die am 6. Juli 2006 unter der Bezeichnung "Turnier für Toleranz" von einem Verein "Sportsfreunde 06" angemeldete und auch als solche in der Regionalpresse beworbene Veranstaltung sollte offenbar durch eine fristlose Kündigung des Mietvertrages am 30. August 2006 unterbunden werden, weil befürchtet wurde das Mitglieder verbotener Vereinigungen strafbare Handlungen begehen könnten.
Das Amtsgericht Rathenow hob jedoch diese Entscheidung auf, da eine fristlose Kündigung angeblich gegen das im Bürgerlichen Gesetzbuch manifestierte Mietrecht verstoße.

Auch soll, laut NPD, kein Mitglied des Vereines "Sportvereine 06" einer verbotenen Vereinigung anhören.

   

Bild 1: Aufkleber des rechtsextremistischen Wikinger-versandes an einem Schild in Rathenow Ost, Höhe Turnhalle. Entfernt von Antifas am 1. September 2006

 

Ein Lokaltermin offenbarte, wie erwartet, jedoch das Gegenteil. Vor und im Hallenbereich versammelten sich in der Zeit von 10 bis 15 Uhr neben Aktivisten und Sympathisanten des NPD Stadtverbandes Rathenow und der "Anti Antifa Rathenow" eben auch Mitglieder der am 12. April 2005 durch das Brandenburger Innenministerium verbotenen Kameradschaft "Sturm 27", darunter auch Personen die erst vor kurzem wegen brutaler Gewaltdelikte vor Gericht saßen.
Eine Verdächtigung oder gar Diskriminierung "Unschuldiger" wie "D.Reichert" in seinem Internetartikel der Stadt, in Person Bürgermeister Ronald Seeger (CDU), vorwirft ist allein schon somit widerlegt.

Endgültig widerlegt dürften damit aber auch die naiven Behauptungen von Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm, wonach  "bestehende Strukturen (der rechten Szene) zerstört" und  "die Entstehung neuer behindert" wurde. Längst haben sich Mitglieder der verbotenen westhavelländischen Kameradschaften der sich landesweit im Wiederaufbau befindlichen NPD angedient um so ihre Aktivitäten zu legalisieren.
Die größtenteils durch Gewalt - und Propagandadelikte in Erscheinung getretenen Angehörigen der regionalen rechtsextremistischen Szene versuchen sich zu dem sogar immer öfter in ihrem Selbstverständnis als Opfer einer "Verschwörung" des von ihnen verachteten "BRD Systems" darzustellen.

Unmittelbar nach der Zustellung der fristlosen Hallenkündigung für das so genannte "Turnier für Toleranz" verklebten so u.a. Mitglieder der "Anti Antifa Rathenow" in der Nacht vom vergangenen Donnerstag zu Freitag mindestens 216 Aufkleber des rechtsextremistischen "Wikingerversandes" und der NPD die unter anderem Parolen wie "Die Würde des Menschen ist unantastbar, es sei denn… Du Bist Deutscher“  oder "Schnauze voll" enthielten. Die Polizei, veranlasst durch das Ordnungsamt Rathenow, entfernte daraufhin ungefähr 50 dieser A6 bis A7 großen Propagandamittel am 1. September 2006 in Rathenow - Ost. Den übersehenden Rest, im gesamten Stadtbereich, zerkratzten Antifas.

Zwar ist der "1:0 - Sieg" der NPD somit hinfällig, das "Spiel" jedoch noch lange nicht zu Ende. Es geht in die unbestimmte und nicht einfache Verlängerung, welche eine gute und konsequente Taktik erfordert. Einmal mehr ist hier auch die Mehrheit der Rathenower Bevölkerung, die sich zu einer demokratischen und weltoffenen Stadt bekennt, gefragt.

Keine Freiräume für Nazis!

Antifaschistische Gruppen im Westhavelland, 2006.09.04

 

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