Aktuelles April 2005:

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Brandsatz war Ursache für Schwelbrand

Nach Anschlag auf eine Rathenower Pizzeria ermittelt die Polizei in alle Richtungen

RATHENOW Der in der Nacht zum Montag in einem Lokal am Rathenower Nordbahnhof ausgebrochene Schwelbrand geht auf einen Brandanschlag zurück. Dies bestätigte gestern das Potsdamer Polizeipräsidium auf Anfrage der MAZ. Unbekannte Täter hatten einen Brandsatz durch ein Fenster der "Pizzeria Roma" geschleudert. Zu den Motiven der Tat tappt die Polizei noch im Dunkeln. Da es sich bei dem Betreiber der Pizzeria um einen Inder handelt, will die Polizei einen fremdenfeindlichen Hintergrund der Tat nicht ausschließen. Einem Sprecher des Polizeipräsidiums zufolge gebe es für eine ausländerfeindlich oder rechtsextremistisch motivierte Straftat bislang aber keine Hinweise. Am Tatort seien kein Bekennerschreiben oder andere Hinweise gefunden worden, welche auf das Motiv der Täter hindeuten.

Der Schwelbrand war am Montagmorgen von der Köchin des Lokals entdeckt worden. Sie alarmierte Feuerwehr und Polizei. Der Inhaber des Lokals hatte offenbar Glück im Unglück: Der Brandsatz entzündete nur einen Schwelbrand. Trotzdem sind die Schäden in dem Gastronomiebetrieb beträchtlich. Der gesamte Gastraum ist mit einer dicken Rußschicht überzogen. Wie die MAZ gestern erfuhr, soll es bereits vor dem Brandanschlag zu einem Zwischenfall gekommen sein. Am Samstag splitterte eine Scheibe, als Unbekannte einen Pflasterstein in das Büro der Pizzeria schleuderten. R.K.

Märkische Allgemeine Zeitung, Regionalteil "Westhavelländer", Mittwoch, 27.04.2005

Polizeibericht vom 25.04.2005:

Schwelbrand in Pizzeria

Rathenow (Havelland)

Am Montagmorgen kurz nach 8 Uhr wurde durch einen Bürgerhinweis ein Schwelbrand in einer Pizzeria in Rathenow bekannt. Durch den Schwelbrand entstand Sachschaden am Mobiliar des Gastraumes. Verletzt wurde niemand. Die über der Gaststätte wohnenden indischen Betreiber der Pizzeria wurden durch Nachbarn verständigt und aus der Wohnung gebracht. Im Ergebnis erster Ermittlungen der Potsdamer Kriminalpolizei kann der Verdacht der Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden.

Die Kriminalpolizei bittet um Zeugenhinweise und fragt: Wer hat am Montag in der Zeit von 1 bis 8 Uhr im Bereich der Pizzeria Roma in der Buschstraße in Rathenow Personen oder Fahrzeuge gesehen, die mit dem Brand in Zusammenhang stehen könnten? Wer kann andere zweckdienliche Angaben machen?

Hinweise bitte an das Polizeipräsidium Potsdam unter der Bürgertelefonnummer 0700 3333 0331, an die Internetwache der Polizei unter www.internetwache.brandenburg.de bzw. jede andere Polizeidienststelle.

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/10478449/1353580/

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"Ich habe kein Vertrauen mehr"

Fotso Talla über das Asylberwerberheim

JOACHIM WILISCH

RATHENOW Als Fotso Talla im Jahr 1999 in Rathenow ankam, hoffte er auf ein schnelles Asylverfahren. In Kamerun, seiner Heimat, stand er auf der Liste der politisch Verfolgten. "Ich wollte in Freiheit leben", sagt er heute. Fotso Talla hat alle Eigenschaften, die einen ruhigen Zeitgenossen auszeichnen. Als aber vor einigen Wochen Vertreter der Brandenburger Flüchtlingsverbände, Asylbewerber und der Vorstand der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Havelland zusammentrafen, um über die zukünftige Zusammenarbeit im Asylbewerberheim zu sprechen (MAZ berichtete), fuhr Fotso Talla aus seiner ruhigen Haut: "Mit der Heimleitung im Haus Birkenweg kann man nicht vertrauensvoll zusammenleben", sagte er. "Ich habe kein Vertrauen mehr."

Zum Hintergrund: Ende 2004 wurden zwei Asylbewerber vom Rathenower Amtsgericht freigesprochen. Sie hatten in einem offenen Brief erklärt, die Heimleitung öffne Privatpost der Asylbewerber. Auf diesen offenen Brief hin erstattete die Awo Anzeige gegen Unbekannt, die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die beiden Asylbewerber, die im Prozess freigesprochen wurden. Auch das Gericht ging davon aus, dass im Heim Privatpost geöffnet wurde.

Personelle Konsequenzen wird die Awo dennoch nicht ziehen. Der Verband benennt hierfür arbeitsrechtliche Gründe. Fotso Talla kann nur schwer ertragen, dass die bisherige Heimleitung auch in Zukunft die Regeln in der Unterkunft bestimmt. "Frau Pagel, die Heimleiterin hat ein Spitzelsystem aufgebaut", sagt der Kameruner. "Sie will ganz genau über jeden Bescheid wissen." Fotso Talla behauptet, das Kamerasystem am Asylbewerberheim, das eigentlich installiert wurde, um die Umgebung außerhalb des Gebäudes zu beobachten, werde genutzt um Asylbewerbern nachzustellen. "Die wissen über jeden Schritt Bescheid, den wir machen", sagt Talla. "Ist das Freiheit?"

Fotso Talla hat sich in den vergangenen Monaten für die Asylbewerber eingesetzt. "Ich wollte und will, dass die Chipkarte abgeschafft wird." Mit dieser Chipkarte können Asylbewerber einkaufen gehen. "Das ist unwürdig", sagt Talla. "Warum gibt man uns nicht Geld?" Wie unwürdig Asylbewerber mit Chipkarten an den Kassen der Supermärkte teilweise behandelt werden, habe Awo-Vorsitzender Fredi Matthews selbst erlebt. Er, Talla, habe Matthews einmal mitgenommen, um das zu demonstrieren. Passiert sei danach nichts mehr. "In den vergangenen Jahren", so Talla, "haben sich einige Asylbewerber im kirchlichen Gesprächskreis engagiert und mitgemacht." Inzwischen gehe dort niemand mehr hin, "weil fast alle resigniert haben."

Wenn es der Arbeiterwohlfahrt ernst sei mit Veränderungen im Asylbewerberheim, so Fotso Talla, "dann muss sie die Versetzung von Frau Pagel an eine andere Stelle in der Awo prüfen." Nur das könne ein "glaubwürdiger Ansatz für neue Gespräche" sein.

Märkische Allgemeine Zeitung, Regionalteil "Westhavelländer", Dienstag, 26.04.2005

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Nach Verbot von „Hauptvolk“ und „Sturm 27“:

NPD beschloss Gründung des Stadtverbandes Rathenow

Nachdem Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) am 12. April 2005 die rechtsextremen Kameradschaften „Hauptvolk“ und „Sturm 27“ verbot und 41 Wohnungen und Objekte der Kameradschaftsmitglieder durchsuchen ließ, fanden sich laut Informationen der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) vom vergangenen Mittwoch mehrere Mitglieder der NPD unter Vorsitz des stellvertretenden Landeschef der Partei, Detlef Appel, in Rathenow zusammen und beschlossen einen Stadtverband in der havelländischen Kreisstadt zu gründen.

Hintergrund der Versammlung mit anschließenden Kranzabwurf, die laut der erwähnten Tageszeitung am 18. April 2005 um 11.30 Uhr auf dem Soldatenfriedhof auf dem Rathenower Weinberg stattfand, war der Alliierte Luftangriff am 18. April 1944.

In einer Pressemitteilung an die MAZ verurteilte die NPD zudem das Verhalten der Stadt Rathenow, nicht an die Opfer dieses Bombenangriffes zu erinnern als „Ausfluss der extrem einseitigen Erinnerungskultur“.

Am 18. April 1944 griffen B 17 und B 24 –Liberator – Bomber der 8. US - Air Force die Kriegswaffenfabrik ARADO (Kampfbomberproduktion) in Rathenow – Heidefeld so an, das die Produktion der Bomberflugzeuge nach dem Kampfeinsatz entscheidend geschwächt wurde.

Bei dem Angriff, der ebenso das Stadtgebiet von Rathenow traf, wurden auch 60 Bürger getötet

Erstaunlicherweise traf sich die „erinnerungsbewusste“ NPD aber nicht am Gedenkstein für eben jene deutsche „Volksgenossen“ sondern auf dem Rathenower Soldatenfriedhof, wo ausschließlich den in den Weltkriegen Gefallenen der Naziwehrmacht und der Armee des Kaiserreiches gedacht wird.

Und eben gerade Adolf Hitlers Wehrmacht steht in Verantwortung für die totale Zerstörung Rathenows im zweiten Weltkrieg, nicht nur weil sie dieses Fanal am 1. September 1939 begann sondern eben auch weil sie es nicht beendete, als die Niederlage längst absehbar war. Zwölf verheerende Tage, bis zum 6.Mai 1945, wurde in Rathenow verbissen gekämpft um den Soldaten des NS –Regimes, u.a. SS – Einheiten, die Flucht vor der Roten Armee über die Brückenköpfe Tangermünde, Schönhausen und Ferchland in die Kriegsgefangenschaft der heute von der NPD verteufelten Amerikaner zu ermöglichen.

Insgesamt starben in Rathenow bei den Kämpfen in den letzten Kriegstagen 235 Soldaten der Roten Armee, 280 Zivilpersonen und 130 fanatische Kämpfer der NS – Armeen. Weiterhin waren Hunderte Wohnungen, durch die Beschüsse der in Göttlin und Kleinbuckow stationierten Geschützbatterien des deutschen XXXIX. Panzerkorps zerstört oder beschädigt worden, ehe die Stadt befreit war.

In bezug auf den Kampf gegen die Nazis von heute sieht sich die Stadt bzw. ihr Bürgermeister Ronald Seeger (CDU), laut MAZ, indes „gut positioniert“, allerdings sei es notwendig „noch mehr vorbeugende Arbeit bei Jugendlichen zu leisten“ und konkret im Kampf gegen die NPD „alle demokratische Kräfte“ zu bündeln. Auch die PDS ruft zum gemeinsamen Vorgehen und zur „offenen Auseinandersetzung mit der NPD“ auf. Wie Produktiv das „tolerante Rathenow“ im Ernstfall aber tatsächlich ist wird sich zeigen.

Zunächst findet, wie bereits in den Vorjahren, zur Erinnerung an den 60. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus am 8.Mai 2005 um 10.00 Uhr eine Gedenkveranstaltung der Stadt Rathenow am sowjetischen Ehrenfriedhof in der Ferdinand Lassalle Straße statt.

Antifaschistische Gruppen im Westhavelland, 2005.04.23

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"Sturm 27"-Schläger verurteilt

Weil er einen 23 Jährigen während des Stadtfestes 2004 in Rathenow zusammengeschlagen hat und dabei noch zutrat als sein Opfer bereits am Boden lag, wurde der Rechtsextremist Norman S. am gestern vor dem Amtsgericht Rathenow zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen a 40 Euro verurteilt.

S. gehörte der am 12. April 2005 durch das Brandenburger Innenministerium verbotenen Gruppierung "Sturm 27" an und beteiligte sich u.a. auch an den Naziaufmärschen am 30.Oktober 2004 in Potsdam und am 13.Februar 2005 in Dresden.  

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bild links: Norman S. während des Stadtfestes in Rathenow

Bild rechts: Naziabzeichen "Good Night Left Side" (engl. "Gute Nacht linke Seite), das S. in ähnlicher Form auf seiner Jacke trug. Der 23 Jährige hatte S. deswegen angesprochen, S. schlug daraufhin zu.

Antifaschistische Gruppen im Westhavelland, 2005.04.15

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"Sturm 27"-Schläger vor Gericht

Am Donnerstag, den 14. April 2005, findet um 13 Uhr vor dem Amtsgericht Rathenow, Raum 2.13, ein Prozess gegen Norman S. statt. Norman S., ein Mitglied der am Dienstag verbotenen neonazistischen Kameradschaft "Sturm 27" in Rathenow, wird vorgeworfen, am 12.09.2004 einen linksorientierten Jugendlichen zusammengeschlagen zu haben.

Stadtfeste in Rathenow sind traditionell Orte, wo die rechtsextreme Kameradschaftsszene ihre Gruppenmacht demonstriert. Um dem nachzuhelfen, werden nebenbei unliebsame Gegner krankenhausreif geschlagen. So auch letztes Jahr im Oktober am Rande des Märkischen Platzes in Rathenow. Norman S., aktives Mitglied der neonazistischen und nunmehr verbotenen Kameradschaft "Sturm 27", trug an jenem Abend das nicht zu übersehende Emblem "Good night - left side" auf seiner Regenjacke. Abgesehen hatte er es auf den 23-jährigen Linken Björn B. Ohne Vorwarnung trat Norman S. an sein Opfer heran und versetzte ihm einen so heftigen Faustschlag - S. ist Kickboxer -, dass Björn ohnmächtig auf das Pflaster schlug. Dann trat er Björn mehrmals auf den Kopf. Björn musste mit einem Schädel-Hirn-Trauma ins Krankenhaus eingeliefert werden. Sein Gesicht war völlig zugeschwollen.

Das Amtsgericht Rathenow hat am Donnerstag über diese Körperverletzung zu befinden. Kay Wendel vom Verein Opferperspektive merkt dazu an: "Ich befürchte, dass das Amtsgericht wie üblich den rechtsextremen Hintergrund der Tat ausblendet und die Tat in die Nähe einer unerfindlichen Schlägerei zwischen jungen Männern rückt. Aber vielleicht lässt sich das Gericht ja dieses Mal vom Verbot der Kameradschaft "Sturm 27" anregen und nimmt sich vor, die neonazistische Motivation und Einbindung des Täters aufzuklären."

Quelle: Opferperspektive 12.04.2005

Bild: Norman S. (in roter Umrahmung) während des Naziaufmarsches am 30.10.2004 in Potsdam. Ganz rechts: Neonazi Christian Worch

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Kameradschaft "Hauptvolk" und "Sturm 27" durch Brandenburger Innenministerium verboten:

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