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Aktuelles Juni 2005:
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Organisiert euch!
Jungle World, Christopher Ndikum Nsoh
Die Flüchtlingsinitiative Brandenburg (FIB)
wurde 1998 von einer Gruppe von AsylbewerberInnen in Rathenow gegründet.
Als Initiative wurde sie mit der Veröffentlichung zweier offener Briefe
im Jahr 2000 einer größeren Öffentlichkeit bekannt. In einem ersten
Brief an Behörden und Öffentlichkeit wurden vor allem die
rassistischen Angriffe beschrieben, unter denen sie leiden. Gleichzeitig
baten sie darum, Brandenburg wegen der permanenten Bedrohung verlassen
zu dürfen. Mit dem zweiten Brief sollten insbesondere die schlechten
Lebensbedingungen von AsylbewerberInnen publik gemacht werden. Beide
Briefe erregten große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit für die
Situation von AsylbewerberInnen speziell in Brandenburg. Im selben Jahr
erhielt die FIB die Carl-von-Ossietzky-Medaille, einen
Menschenrechtspreis, der von der Internationalen Liga für
Menschenrechte vergeben wird.
Mit der eigentlichen Entstehung der FIB im Jahr 2000 gab es eine grundsätzliche
Veränderung der antirassistischen Strukturen. Waren es vorher vor allem
deutsche Gruppen, die mit ihrem Blick den Kampf gegen Rassismus und die
schlechten Bedingungen für AsylbewerberInnen in der BRD führten,
begann durch die AsylbewerberInnen in Rathenow die Ära der FlüchtlingsaktivistInnen
in Brandenburg.
In den ersten Treffen zur Formulierung der offenen Briefe gab es sehr
unterschiedliche Positionen. Die VertreterInnen der einen Fraktion waren
davon überzeugt, es hätte schon von genug Gruppen offene Briefe,
Petitionen und Protestbriefe an die Regierung gegeben und es habe sich
nichts geändert. Sie vertraten die Meinung, man müsse sich bewaffnen,
um auf rassistische Angriffe reagieren zu können.
Die andere Fraktion vertraute eher auf »Diplomatie« und Aktivismus.
Die VertreterInnen dieser Denkrichtung konnten schließlich die anderen
überzeugen, indem sie ihnen die juristischen Konsequenzen einer
Verhaftung mit Waffenbesitz durch die Polizei verdeutlichten. Sie
machten darauf aufmerksam, dass es nicht auf die Kraft der Muskeln,
sondern auf die Kraft des Denkens ankomme und betonten: »Die Macht der
Argumente ist stärker als die Argumente der Macht«, oder anders
ausgedrückt: »Das leise Kratzen der Feder ist stärker als das Gewehr.«
Aus dieser Kontroverse entwickelte sich schließlich das Vorgehen mit
den öffentlichen Briefen als Strategie, mit der die Regierung und die
Öffentlichkeit zum Handeln gezwungen werden sollten.
Die FIB hat seit ihrer Entstehung eine klar definierte Struktur. Bei den
ersten Besuchen in den verschiedenen Heimen werden demokratisch zwei
oder mehr RepräsentantInnen der jeweiligen Einrichtung gewählt. Es
werden Telefonnummern und Adressen ausgetauscht, um weiterhin in Kontakt
bleiben und eine Struktur aufbauen zu können. Es gibt einen Rat,
welcher bespricht, was in den nächsten Monaten geschehen soll, dieser
kann lediglich Ideen entwickeln und vorschlagen, die dann in der
Vollversammlung beschlossen werden. Die Vollversammlung, die sich aus
den VertreterInnen der verschiedenen Flüchtlingsheime zusammensetzt,
trifft sich einmal im Monat. Diese Treffen rotieren zwischen den
verschiedenen Heimen.
AsylbewerberInnen sind fast täglich Zielscheibe rassistischer Angriffe,
entweder verbal oder körperlich. Im Land Brandenburg ist die Zahl der
Übergriffe immer sehr hoch gewesen. Dagegen müssen wir kämpfen. Des
Weiteren kämpft die FIB für eine Verbesserung der rechtlichen
Anerkennungsbedingungen von AsylbewerberInnen und für eine Veränderung
des Asylbewerberleistungsgesetzes. Diese beiden gesetzlichen Regelungen
haben AsylbewerberInnen zu Menschen zweiter Klasse degradiert und verstoßen
zusätzlich gegen die Bestimmungen der Genfer Flüchtlingskonvention.
AsylbewerberInnen muss die Menschenwürde garantiert werden, und
zugleich müssten der große Ermessensspielraum der Behörden einschränkt
sowie verbindliche Richtlinien für Leistungsbewilligungen garantiert
werden. AsylbewerberInnen sollen in Wohnungen untergebracht werden und
nicht in isolierten Lagern.
Die FIB hat verschiedene Widerstandsformen im Kampf gegen Rassismus und
die schlechten Lebensbedingungen der AsylbewerberInnen entwickelt.
Grundsatz der FIB ist es, die Köpfe und Hände zu verbinden, was
bedeutet, sich nicht nur schriftlich zu äußern, sondern gleichzeitig
aktiv zu handeln. Ein Beispiel hierfür ist die Kampagne der FIB und
anderer AsylbewerberInnen- und Antiragruppen gegen die Residenzpflicht.
Andere Kampagnen sind die Grenzcamps, die eigentlich von
antirassistischen Gruppen initiiert, aber später ein Ort gemeinsamer
Organisierung von AsylbewerberInnen- und Antiragruppen wurde, um gegen
jede Art von Grenzen, Kontrolle oder Verhinderung von Migration zu kämpfen.
Die FIB organisiert auch Seminare und Konferenzen. Darüber hinaus
wurden auf ihre Initiative hin auch schon Kirchen besetzt. Eines der
Hauptziele der FIB ist die Gründung von Netzwerken. Die FIB hat immer
daran geglaubt, dass man in bestimmten Bereichen mit anderen Gruppen
zusammenarbeiten sollte.
Bis heute sind die meisten deutschen BehördenvertreterInnen überzeugt,
dass AsylbewerberInnen nicht das Recht haben, ihre Probleme zu
artikulieren. In Gesprächen zwischen VertreterInnen der Behörden und
AsylbewerberInnen- und Flüchtlingsgruppen in Brandenburg wird zudem den
angeprangerten Missständen kaum Glauben geschenkt. Beispielsweise
wurden nach der jährlichen Konferenz der Flüchtlingsinitiative, die am
11. und 12. Juni 2004 in Potsdam stattfand, VertreterInnen der Gruppe
von der Ausländerbeauftragten des Landes Brandenburg eingeladen. Während
der Diskussion weigerte sich die Ausländerbeauftragte kontinuierlich,
dem Bericht der Gruppe über den schlechten Zustand der Heime, die
vorher besichtigt worden waren, zu glauben. Erst nachdem die Ausländerbeauftragte
erfuhr, dass VertreterInnen des Flüchtlingsrates und jemand aus ihrer
Behörde bei den Besuchen anwesend waren, war sie bereit, den Ausführungen
der FIB zu glauben. Ein solches rassistisches Verhalten ist einer der Gründe
dafür, warum die FIB der Ausländerbeauftragten und anderen Behörden
gegenüber skeptisch bleibt. Die Mitglieder der FIB sind stets offen und
direkt in ihren Äußerungen, was viele als zu konfrontatives Vorgehen
interpretieren.
Die Beziehungen der FIB zu anderen antirassistischen Gruppen sind aus
verschiedenen Gründen nicht immer problemlos gewesen. Zeitweise müssen
AsylbewerberInnen erkennen, dass ihre Kämpfe heruntergespielt bzw.
gespalten werden.
So wollten beispielsweise einige antirassistische AktivistInnen Einfluss
darauf nehmen, welche Personen der FIB AsylbewerberInnen bei Treffen mit
anderen Gruppen vertreten dürfen. Dies geschah, ohne die Bedürfnisse
der AsylbewerberInnen zu berücksichtigen, ohne Kenntnis über die
interne Struktur der Gruppe und ohne zu wissen, von wem die
AsylbewerberInnen sich adäquat in ihren Positionen vertreten fühlen.
Diese paternalistische Vorgehensweise antirassistischer Gruppen zeigt,
dass manche denken, nur sie könnten Asylbewerber mobilisieren.
Andere Beispiele sind Kampagnen oder Aktionen, in welchen die FIB von
antirassistischen Gruppen an den Rand gedrängt wurde. Zum Beispiel
startete die FIB eine Kampagne mit einer antirassistischen Gruppe, die
sehr kontrovers diskutiert wurde, weil viele die politische Bedeutung
dahinter nicht unmittelbar verstanden. Als langsam die politische
Bedeutung der Kampagne deutlich wurde, kamen immer mehr antirassistische
Gruppen zu den Treffen.
Die FIB wurde komplett an den Rand gedrängt, und die ganze Kampagne
wurde eine Sache antirassistischer Gruppen. Sie formulierten ein ganz
neues Konzept, in dem AsylbewerberInnen überhaupt nicht mehr
auftauchten. In der zweiten Phase der Kampagne wurde die FIB zum
kompletten Außenseiter.
Auch wenn es Differenzen zwischen der FIB und anderen antirassistischen
Gruppen gibt, können wir akzeptieren, dass dies eben Differenzen, aber
keine unüberbrückbaren Konflikte sind. Wir akzeptieren, dass wir uns
in einem Lernprozess befinden und den Fokus auf das gemeinsame Ziel, den
Kampf gegen Rassismus, Unterdrückung, Diskriminierung und Dominanz in
jeder Form richten müssen. Wir haben akzeptiert, dass wir
unterschiedliche Hintergründe haben und uns auf verschiedene
Traditionen beziehen, so dass es Unterschiede in den Bewertungen
bestimmter Aspekte gibt.
Im Fall solcher Differenzen sollten wir diese ausdiskutieren, um eine
gemeinsame Basis herzustellen, bevor wir weiter planen. Es ist nötig,
unsere Kämpfe gemeinsam an die entscheidenden Orte zu bringen. In
Zukunft müssen wir versuchen, die positiven Seiten der Aktionen stärker
in den Vordergrund zu stellen. Solange es Rassismus, Asylbewerberheime
und Abschiebelager in Brandenburg gibt und Menschenrechte und Flüchtlingsrechte
missachtet werden, kämpft die FIB weiter.
Quelle: Jungle World, 23.06.2005
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JOACHIM WILISCH
RATHENOW Die Arbeiterwohlfahrt Havelland
bleibt weiter Träger des Asylbewerberheimes am Rathenower Birkenweg.
Der Kreisausschuss hat dies am Montag zustimmend zur Kenntnis genommen.
Flüchtlingsorganisationen aus dem Land Brandenburg hatten die
Kreisverwaltung aufgefordert, die Trägerschaft zu kündigen und neu zu
vergeben. Hintergrund ist ein Urteil. Zwei Asylbewerber waren im
vergangenen Jahr vor Gericht gestellt worden. Man warf ihnen Verleumdung
vor, weil sie in einem offenen Brief Missstände im Asylbewerberheim öffentlich
bekannt gemacht hatten. Unter anderem behaupteten die Autoren des
Briefes, im Heim werde die Privatpost von Bewohnern geöffnet. In dem
Urteil stellte das Amtsgericht fest, dass die Behauptungen in dem Brief
der Asylbewerber nicht widerlegt werden konnten. Die Angeklagten waren
frei zu sprechen.
Inzwischen, so Ordnungsdezernent Kellner am Montag, habe sich der
Vorstand der Arbeiterwohlfahrt bemüht, Fehler bei der Arbeit mit den
Asylsuchenden im Heim zu beseitigen. Es habe auch Gespräche zwischen
der Arbeiterwohlfahrt, verschiedenen Flüchtlingsorganisationen und den
Asylsuchenden gegeben, die allerdings von den Flüchtlingsorganisationen
abgebrochen wurden. Diese hatten personelle Konsequenzen im Heim
gefordert, denen die Arbeiterwohlfahrt aus juristischen Gründen nicht
nachkommen wollte. Für das Ordnungsamt des Kreises sprechen aber auch
andere Tatsachen dafür, den Vertrag mit der Awo jetzt nicht zu kündigen.
Würde er jetzt gekündigt, so würde bei einer Neuausschreibung
wahrscheinlich kein anderer Anbieter gefunden, glaubt das Ordnungsamt
des Kreises. Der neue Betreiber müsste nämlich das Personal des alten
Betreibers für ein Jahr übernehmen, weil der Vertrag mit der
Arbeiterwohlfahrt vorzeitig beendet worden wäre. CDU-Abgeordnete
bezweifelten im Kreisausschuss diese Rechtsauffassung. Allerdings
setzten auch sie ihr Vertrauen in Sachen Asylbewerberheim weiter in die
Arbeiterwohlfahrt. Lediglich die PDS-Abgeordneten meldeten Zweifel an.
Zwar sei auch die PDS der Auffassung, dass die Arbeiterwohlfahrt weiter
Träger des Asylbewerberheimes bleiben soll. Dennoch müsse sich die
Kreisverwaltung Zeit nehmen, um zu prüfen, inwiefern das Verhältnis
zwischen Heimleitung und Bewohnern nach dem Gerichtsurteil noch zu
kitten sei. Die PDS schlug vor, weiter an dem Fall zu arbeiten.
Aus Sicht der Ordnungsbehörde soll der Vertrag zum Asylbewerberheim
auch deshalb nicht vorzeitig gekündigt werden, weil bis zum Jahr 2008
die Zahl der Asylsuchenden stark sinken werde. Dann lohne es sich
wahrscheinlich nicht mehr, das Asylbewerberheim zu betreiben. Ab diesem
Zeitpunkt müsse die Kreisverwaltung andere Unterbringungsmöglichkeiten
suchen und schaffen.
Märkische Allgemeine Zeitung, 15. Juni 2005
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Schutzbund verteilte wieder
Flugblätter
Am Samstag, dem 4.Juni 2005, verteilten neun
RechtsextremistInnen vermutlich mehrere hundert Flugblätter des
"Schutzbund Deutschland" in Rathenow und Premnitz.
Inhaltlich richtete sich die nunmehr dritte Aktion der Gruppe in
diesem Jahr im Westhavelland gegen das für die anhaltende
Arbeitslosigkeit verantwortlich gemachte BRD System.
Zur Zeit wird gegen den "Schutzbund Deutschland" wegen
Volksverhetzung polizeilich ermittelt, da im Mai Flugblätter dieser
Gruppe verbreitet wurden, die die Alliierten als "Mörder,
Vergewaltiger und Besatzer" verunglimpften.
Im Zuge der Ermittlungen stellte sich u.a. heraus das es einem im
v.i.s.d.p. genannten "Knut Grothe" nicht gibt. So waren die
Flugblätter diesmal mit Mario Schulz (Ex - Landesvorsitzender der NPD
in Brandenburg und jetziger Chef der "Bewegung Neue
Ordnung") unterzeichnet.
Antifaschistische Gruppen im Westhavelland, 2005.06.13
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Kein
Vertrag mit NPD-Freundeskreis
Stadt
Premnitz verhindert rechtes Treffen im Mögeliner Gemeindezentrum
Westhavelland
Die NPD versucht mit aller Macht in der Region politisch Fuß
zu fassen. Doch die Verantwortlichen in Städten und Gemeinden halten,
so gut sie können, dagegen. Vor einigen Wochen hatte es in Rathenow ein
privates Treffen von Sympathisanten der rechten Partei gegeben - mit dem
Ziel, einen Ortsverband zu gründen.
Einen weiteren Schritt in diese Richtung wollte man
heute gehen. Um dem Treffen einen offiziellen Anstrich zu verleihen,
hatte sich ein Freundeskreis der NPD in dem Saal des neuen Sport- und
Gemeindezentrums Mögelin (Stadt Premnitz) eingemietet, ohne zunächst
deutlich zu machen, welcher Organisation sie angehören.
Nach Recherchen dieser Zeitung, hatten bereits vor
einiger Zeit zwei Männer bei der Pächterin der Gaststätte im
Gemeindezentrum vorgesprochen, um den Saal zu mieten. Offiziell war die
Veranstaltung als „Informationsabend“ betitelt. Hauptredner sollte
ein Parteimandatsträger der NPD sein. Nachdem bekannt war, wer da im Mögeliner
Gemeindezentrum eine Veranstaltung abhalten wollte, liefen am Donnerstag
die Telefone heiß und Roy Wallenta (parteilos), Bürgermeister der
Stadt Premnitz wies an den Vertrag sofort zu kündigen. Zugleich wurde
die Leiterin des Polizeischutzbereiches Havelland, Cerstin Petersen-Schäfer
informiert und um Unterstützung gebeten. Ob sich die NPD-Sympathisanten
nun woanders treffen werden oder ob die Veranstaltung endgültig
abgesagt ist, wurde gestern nicht mehr bekannt.
Wallenta betonte, dass er nicht jedes Treffen einer
rechten Organisation verhindern könne. „Aber im offiziellen
Gemeindezentrum, das zur Stadt Premnitz gehört, komm das nicht in
Frage.“
Märkische Allgemeine Zeitung, 10.06.2005
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