Aktuelles Oktober 2005:

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War da was?

Vor nunmehr sechs Monaten wurden die westhavelländischen Neonazikameradschaften „Hauptvolk“ und „Sturm 27“ vom Innenministerium des Landes Brandenburg medienwirksam verboten.

Doch nach dem die Kameras wieder aus waren, schwand in der Region auch wieder das Interesse an den als erledigt geltenden Neonazis, die sich jetzt bezeichnender Weise „Verbotene Freundschaft“ nennen. Glaubt mensch den Gerüchten wurde nicht einmal die Verbotsverfügung konsequent und nur delitantisch durchgeführt, wurden u.a. Schusswaffen und Propagandamaterial in gewissen Wohnungen fahrlässig (?) übersehen.

Und auch die politischen Aktivitäten zu den üblichen Anlässen, 8.Mai, Todestag von Rudolf Heß etc., nach dem Verbot wurden in keinster Weise durch staatliche Organe behindert. Nicht einmal die rechtsextremen Gewaltübergriffe konnten eingedämmt werden, wie der jüngste Vorfall beweist.

So wurden am Samstag, dem 24. September 2005 ein Mann und zwei Frauen an einer Rathenower Tankstelle von mehreren Nazis, darunter mindestens ein „Sturm 27“ – Mitglied, zusammengeschlagen.

Und auch die Abschreckungswirkung auf das Kameradschaftsumfeld hat sich wenig ausgewirkt. Zu den Kameradschaftsaktionsgruppen haben sich weitere Aktivengruppen der rechtsextremen Szene hinzugesellt. So gibt es jetzt beispielweise einen NPD Ortsverband im Hauptwirkungsort der verbotenen Kameradschaften, in Rathenow, der von dem vorbestraften Nazischläger Marcell Horlebeck aus dem Umfeld des „Sturm 27“ geführt wird. Und auch die nordbrandenburgische Nazitruppe „Schutzbund Deutschland“ konnte hier offenbar „Jungvolk“ gewinnen. So wurden drei Tage vor der Bundestagswahl mehrere Jungnazis aus Rathenow beobacht, die Wahlboykottaufrufe der Organisation verteilten. Wenige Monate zuvor waren die selben Personen an einem versuchten Brandanschlag auf den Jugendclub Premnitz beteiligt, an dessen Vorbereitung wiederum auch Mitglieder des verbotenen „Hauptvolks“ involviert waren.

Nein, wirklich effektiv war die Verbotsverfügung – vor allem wegen seiner inkonsequenten Durchsetzung – nicht. Die Infrastruktur wurde weder gestört noch  zerstört. Und so blieben auch die Treffpunkte der Kameradschaften erhalten, wie beispielsweise der Sturm 27 – Treff in einer Rathenower Gartensparte und auch der Hauptvolk – Kampfsportraum in den ehemaligen Askaniawerken in Rathenow. In letzteren bildet nach wie vor Nazischläger und Hauptvolkführer Sandy Altenhordt seine „Jungs“ in Kampfsport aus. Auch Sturm(27)führer Benjamin Kuhirt wurde hier schon gesehen.

Ein weiterer Treffpunkt der sich seit einigen Monaten in der Szene etabliert hat, ist die Diskothek „Klubhaus Mögelin“ im Premnitzer Ortsteil Mögelin. Hier verdient  sich u.a. Kameradschaftsführer Sandy Altenhordt als Türsteher für eine Wachschutzfirma etwas zur Finanzierung seines Informatikstudiums an der Fachhochschule Brandenburg/Havel dazu. Das dieser Posten nicht unbedingt den Vorschriften entspricht, da vorbestrafte Gewalttäter nicht in Securityfirmen arbeiten dürfen, interessiert offenbar niemanden. Nicht einmal das Gewerbeaufsichtsamt Premnitz, dass über die Angelegenheit informiert sein dürfte.

Antifaschistische Recherchegruppe, 2005.10.17

Bild links: Sandy Altenhordt als Ordner / Türsteher im "Klubhaus Mögelin" am 9. Juli 2005 (Fotoquelle: www.klubhaus-moegelin.de )

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Nazis schlugen wieder zu

Der Überfall auf zwei Frauen und einen Mann an einer Tankstelle in der Rathenower Innenstadt hatte, entgegen der apolitischen Deutung in den regionalen Polizeiberichten, einen rechtsextremen Hintergrund. Zweifelsfrei wurde von den Opfern u.a. Martin K. von der durch das Brandenburger Innenministerium verbotenen Kameradschaft "Sturm 27" als Täter wiedererkannt. 

K. war in diesem Jahr an mindestens drei weiteren rechtsextremen Überfällen in der havelländischen Kreisstadt  beteiligt, bei denen Menschen zum Teil erheblich verletzt wurden.

Zu dem neuerlichen Übergriff kam es, nach dem die zwei Frauen und der Mann das Grundstück der Tankstelle betraten  um am Nachtschalter noch etwas zu kaufen. Ein paar dort sitzende Rechtsextremisten fühlten sich offenbar schließlich durch die Anwesenheit der Drei belästigt und fingen dann sofort Streit an. Anschließend kamen noch weitere Nazis von der anderen Straßenseite hinzu und schlugen und traten auf ihre Opfer ein.

Antifaschistische Recherchegruppe, 2005.10.08

Polizeibericht:

Schlägerei an der Tankstelle

Rathenow: *In den frühen Morgenstunden des 24. September kam es in Rathenow in Höhe einer Tankstelle in der Berliner Straße zu einer Schlägerei zwischen mehreren Personen, wobei zwei weibliche und eine männliche Person mehrfach durch Fußtritte traktiert wurden. Noch vor Eintreffen der Polizei flüchtete der unbekannte Täter. Die Personengruppe, von der die ausging, erhielt einen Platzverweis. Eine Person kam dieser Aufforderung nicht nach und musste in Gewahrsam genommen werden. 

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, Polizeibericht 26.09.2005

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Sieg-Heil-Rufe bei Feiern

Rathenow (Havelland): *Das Rufen von Nazi-Parolen wurde der Polizei Sonntagabend aus einer Wohnung in Rathenow-Ost gemeldet. Die Polizei stellte in der Wohnung neun Personen zwischen 25 und 66 Jahren fest, die nach ihren Angaben einen Geburtstag feierten. Sie erhielten Anzeigen.

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung, Polizeibericht 04.10.2005 (Mazonline), 07.10.2005 (Printausgabe)

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