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Organisationsunabhängige Neonazis versuchen nun schon seit einigen Jahren im Raum Rathenow – Premnitz feste und vernetzte Strukturen aufzubauen. Ein wichtiger Punkt im Konzept dieser so genannten „Freien Nationalisten“ war dabei vor allem der Aufbau von so genannten Kameradschaften, um der Schwächung durch staatlicher Repression, zum Beispiel durch Verbote von straff organisierten Naziparteien, wie der Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP), der Nationalistischen Front (NF) oder der Deutschen Alternative (DA) Anfang der 1990er Jahre zu entgehen. Im Raum Rathenow – Premnitz waren so in jüngster Zeit die Kameradschaften „Hauptvolk“ und „Sturm 27“ aktiv, die hier, ähnlich der regionalen NSDAP in den 1920er Jahren, versuchten und versuchen durch Gewalt und aggressiver Propaganda an gesellschaftlichem und politischem Einfluss zu gewinnen. Da das Unwesen der beiden genannten Nazivereinigungen offenbar selbst für staatliche Institutionen nicht mehr hinnehmbar war, wurde versucht durch exemplarische Verbote deren Handlungsfähigkeit zu beschränken. Allerdings ist dabei unterschätzt worden, dass eine Kameradschaft eben mehr ist als nur ein loser Personenzusammenhang, sondern ein fester, hierarchisch gegliederter und zum Teil über Jahre gewachsener politischer Freundeskreis. „Hauptvolk“ und „Sturm 27“ existieren so, teilweise unter anderem Namen, fort. Zu dem komplettieren neue, aggressive Nazigruppierungen, wie die „Weissen Wölfe“ oder die Personenidentische „Anti – Antifa Rathenow“, das Bild der Szene. Selbst ein im Jahr 2005 gegründeter Stadtverband der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) bindet vor allem Kader aus den einschlägigen Nazikameradschaften.
Um für ihre Vorstellungen einer nationalsozialistischen Gesellschaft einen Basis – und Koordinierungsraum zu gewinnen, war und ist ein wichtiges Ziel der regionalen Neonazis immer wieder die Schaffung geeigneter, fester Anlaufpunkte. Aus der Vergangenheit sind so beispielsweise in Rathenow Orte, wie die Gaststätte „Zur Kiste“ in der Goethestraße (1997 – 2000), die Spelunke „Don Promillos Pony Bar“ in der Großen Milower Straße (2001 – 2002) oder die illegale Kneipe „FC Fojelbeen“ in der Kleinen Waldemarstraße (2001 – 2004) bekannt, die von örtlichen Nazis für örtliche Nazis geführt, aber inzwischen geschlossen wurden. Regelmäßig fanden hier Kameradschaftstreffen statt, zu dem wurden neue Mitstreiter in „geselliger“ Runde agitiert.
Aktuell setzt sich dieses Konzept im Zuge der Reorganisation bzw. der weiteren Expansion der Naziszenerie weiter fort. Neben den kameradschaftsnahen Gaststätten „Zur Windmühle“ im Rathenower Nachbarort Bamme und dem „Lindenhof“ in Premnitz sowie der illegalen Kneipe in der Rhinower Landstraße haben Nazis auch Gebäudeteile angemietet, die spezielle Aufgaben erfüllen. In den ehemaligen Askaniawerken im Rathenower Zentrum werden so beispielsweise Nazis im Rahmen eines kameradschaftlichen Kickbox Projektes im Nah – und Straßenkampf ausgebildet. Die ideologische Zementierung mittels Musik erfolgt durch den Sound einer, in einem ehemaligen Firmengelände in Rathenow probenden Nazimusikgruppe.
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