Polizei Brandenburg - Nein Danke

 

 

 

  Schon im Vorfeld des ursprünglich bereits für den 26. Mai 2007 terminierten Naziaufmarsches in Rathenow ließen die Vertreter des Brandenburger Polizeiapparates auf einem Gegenaktivitätenvorbereitungsplenum  des lokalen Aktionsbündnisses "Rathenow zeigt Flagge" keinen Zweifel von wem sie an diesem Tage tatsächlich eine Gefährdung für die demokratische Grundordnung erwarteten. Von gewaltbereiten (linken) Globalisierungsgegnern wurde da fantasiert, die sich in Rathenow für den G8 Gipfel warmkämpfen und von bis zu 500 militanten (!) Protestlern der Initiative "Freie Heide", die im Stadtgebiet für bürgerkriegsähnliche Zustände sorgen werden.
Eine Gefährdung der demokratischen Grundordnung durch den NPD - Aufzug wurde dabei jedoch nicht thematisiert. Der Aufmarsch sei, so die Vertreter des Polizeiapparates, als angeblich demokratische Veranstaltung nicht zu verhindern und deshalb um jeden Preis durchzusetzen. Auch gegen den Willen der Bürger, die mit einer friedlichen Sitzblockade den Naziaufmarsch, ähnlich wie 2005 in Potsdam oder 2006 in Halbe, verhindern wollten.

Mehr als 400 Beamte der berüchtigten Brandenburger Bereitschaftspolizei LESE (Landeseinsatzeinheit) wurden schließlich am 16. Juni 2007, dem neuen Termin der NPD, nach Rathenow abkommandiert um Volksverhetzern und (Neo) National - Sozialisten die aggressive Verunglimpfung der Bürger und der Propagierung ihres faschistischen Weltbildes zu ermöglichen und den Protest der Bürger auf Distanz zu halten.

Eine Episode in der Unterdrückung des zivilgesellschaftlichen Engagements in der Stadt ist ein Vorfall der folgend in einem Artikel der Märkischen Allgemeinen Zeitung Nr. 142, 62. Jg., Donnerstag, 21. Juni 2007,  Seite 15, Regionalteil "Westhavelländer" dokumentiert wird:

 
     
 

Video Steckbriefe auf Verdacht

Polizei filmte 25 Nazigegner vor NPD-Demo einzeln mit ihren Pässen ab

von Henning Heine

RATHENOW: *Wie ein Schwerkrimineller sei er sich vorgekommen, schimpft Mike Maasch. Auch sein Kumpel René Schwarzlose sieht das so. Er spricht von "Schikane".

Der Grund für den Ärger der Rathenower: Eine Polizeidrangsale gegen sie und rund zwei Dutzend weitere Nazigegner vor der NPD-Demo am Sonnabend in der Kreisstadt. Ohne sich einer Straftat schuldig gemacht zu haben wurden die Antifaleute von einem Spezialkommando der Landes an der Musikbrauerei bedrängt und einer Art erkennungsdienstlichen Behandlung auf offener Straße unterzogen.

Von den Rechtsradikalen war noch lange nichts zu sehen, da hatte die so genannte brandenburgische Landeseinsatzeinheit (Lese) schon Maasch (32) und Schwarzlose (28) mit ihren Freunden auf dem Kieker. Die Beamten in schwarzer Kampfmontur versuchten die in Grüppchen verstreuten Gegendemonstranten vom Kreuzungsbereich von Ebertring, Berliner Straße und Bammer Landstraße zu verscheuchen – und erhöhten den Druck, als sich die Linken wohl nicht schnell genug vom Acker machten.

Zunächst kassierte das Kommando von den etwa 25 Leuten die Personalausweise ein und drohte mit sofortigem Gewahrsam, sollte sich jemand widersetzen. "Dann wurden wir nacheinander aufgerufen und mussten uns einzeln vor eine Wand stellen", erzählen Maasch und Schwarzlose. Ein Lese-Beamter hielt die Personalausweise erst mit der Vorderseite, dann mit der Rückseite unter das Kinn jedes Gegendemonstranten. Ein weiterer Polizist filmte daraufhin die Aktivisten frontal mit einer Videokamera ab. "Das hat pro Person länger als eine Minute gedauert", so Schwarzlose über die Erstellung der digitalen Steckbriefe. Anschließend mussten sich die Antifaleute verkrümeln. Wohlgemerkt: Die Nazigegner waren nicht vermummt, niemand hatte sich auf die Straße gesetzt oder einen Stein angefasst. Die NPD marschierte erst zwei Stunden später an der Musikbrauerei vorbei. Die Untat der Nazigegner: Sie befanden sich zu nahe an der rechten Demoroute und sollen Störaktionen vorgehabt haben.

Was Schwarzlose zudem aufregt: Nahe der Havellandhalle, dem Treffpunkt der Gegendemo, beobachtete er wenig später mehrere Rechte, die offenbar vor der NPD-Parade die Lage in der Schopenhauerstraße ausbaldowerten. Bei ihnen hätten die Beamten keine Videos angefertigt. Schwarzlose: "Wir dürfen nicht zum Bahnhof und werden abgefilmt, aber die können ungestört am Treffpunkt der Gegendemo vorbeilaufen."

Die Polizei rechtfertigt ihre Aufnahmen von den Nazigegnern mit einer befürchteten Blockade der Rechtendemo. "Es gab konkrete Hinweise im Internet und anderen öffentlich zugänglichen Quellen, dass das Spektrum derartiges plante", sagte der havelländische Schutzbereichssprecher Dietmar Keck. Die Videos dienten demnach der "Verfahrenssicherung": Anhand der Aufnahmen hätten Störer später leichter identifiziert werden können – etwa falls sie bei der Auflösung einer Sitzblockade wegrennen und sich so der Festnahme entziehen.

Gespeichert sind die Video-Steckbriefe von Maasch, Schwarzlose und den übrigen NPD-Opponenten laut Keck nicht mehr. Da die Gegendemo friedlich blieb, seien die Aufnahmen auf Anweisung von Schutzbereichsleiter Jörg Barthel, der den gesamten Polizeieinsatz führte, umgehend gelöscht worden. Zu den rechten Kameraden an der Havellandhalle sagte Keck, von einer Störung der Gegendemo sei nicht auszugehen gewesen. Daher sei auch das Videografieren unterblieben.
 

Auf ein Wort:

Am Abdrehen

von Henning Heine

Die Video - Steckbriefe der Polizei von NPD - Gegnern in Rathenow zeigen: Die Sicherheitsbehörden sind immer mehr am abdrehen. Deren Paranoia geht mittlerweile soweit, dass der Verdacht, jemand könne sich an einer Sitzblockade gegen Rechtsextreme beteiligen, einen Polizeizugriff rechtfertigt und die Aufnahme ins Fahndungsregister ausreicht. Beim nächsten Mal werden dann wohl vorsorglich alle Protestierer mit Personalausweis abgefilmt und irgendwann ist auch der braveste Bürger dran - denn es ist nicht auszuschließen, dass auch er sich mal was zu schulden kommen lässt. Die Polizeischikane vom Sonnabend macht aber noch ein weiteres erschreckendes Problem sichtbar: Auf der einen Seite scheint der Staat zunehmend bestrebt, bereits den geringsten Versuch von zivilen Ungehorsam im Keime zu ersticken - selbst wenn der Protest hehre zivilisatorische Ziele wie Gerechtigkeit (siehe die Gipfelblockaden) oder Nie wieder Faschismus (siehe NPD Gegendemo) verfolgt. Auf der anderen Seite können offene Verächter der Demokratie, zu denen auch rechtskräftig verurteilte Schläger und Rassisten gehören, sich von der Ordnungsmacht schützen lassen . Da stimmt was gehörig nicht.

 

 

 

 

 

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