Nationalistische Front (NF) und deren Nachfolgestrukturen

  Gründung: *16. November 1985 in Bielefeld (Nordrhein Westfalen)
*seit 1991 in Rathenow und Umgebung aktiv
   
  Verbot: 27. November 1992    
  relevante Nachfolgeorganisationen: Sozialrevolutionäre Arbeiterfront (SrA) mit deren Vorfeldorganisationen:
*Förderwerk Mitteldeutsche Jugend (FMJ), 1992 - 1993 ("Selbstauflösung")
*Direkte Aktion Mitteldeutschland / JF, 1993 - 1994 ("Selbstauflösung"), 1995 verboten
   
  Kreisvorsitzender:      
  Mitglieder: Matthias Nickel, Mathias Olm, Michael Dirk    
  (relevante) Publikationen: *"Aufbruch" (Zeitschrift der "Nationalistischen Front")
*"Der Angriff" (Zeitschrift des "Förderwerk Mitteldeutsche Jugend", Ausgabe 1 und 2)
*"Der Angriff" (Zeitschrift des "Kameradschaftsbund Mitteldeutschland" und später der "Direkten Aktion Mitteldeutschland/JF", ab Ausgabe 3)
   
         
  Aktionen: *Propagandaaktionen Anfang der 1990er Jahre in Rathenow und Premnitz    
         
  Bemerkung: *Die "Nationalistische Front" (NF) wurde Mitte der 1980er Jahre als bundesweite Partei gegründet und vertrat in ihrer Wirkungszeit vor allem eine so genannte "nationalrevolutionäre" Ideologie, in der bewusst linke Begriffe und Theorien in nationalsozialistischer Weise umgedeutet bzw. durch nazistische Elemente ergänzt wurden.
Aufgrund ihrer "antikapitalistischen" Programmatik war die NF Anfang der 1990er Jahre in der Mitgliederwerbung vor allem auf dem Gebiet der ehemaligen DDR erfolgreich.
Im Land Brandenburg hatte die Partei ihre Mitgliederstärksten Stützpunkte in Schwedt/Oder, Potsdam und Brandenburg/Havel.
Aus Potsdam sind so 45 Personen und Brandenburg/Havel 18 Personen, u.a. Patrick Cuhrts, Michael Wirth, Marco Barsch und Alexander Menz als NF - Mitglieder namentlich bekannt.  
Von Brandenburg/Havel aus wurde vermutlich auch das Westhavelland in die NF - Struktur eingebunden und einzelne Aktivisten gewonnen.
In der Parteidatenbank fanden sich diesbezüglich drei Personeneinträge:

Matthias Nickel  aus Rathenow
(Status: 12, erster Postkontakt: 21. Oktober 1991)

Michael Dirk aus Premnitz, Ortsteil Mögelin
(Status: 12, erster Postkontakt: 28. Dezember 1991)

Mathias Olm aus Rathenow
(Status: 12, erster Postkontakt: 14. April 1992)

Keiner der drei Westhavelländer war jedoch, entgegen früherer Antifaschistischer Publikationen, für das 1991/1992 im Aufbau befindliche so genannte "Nationale Einsatzkommando" (NEK) vorgesehen, welches schließlich den Grund für das Verbot der Partei lieferte. Lediglich Patrick Cuhrts aus Brandenburg/Havel war aus der näheren Umgebung in der NF Datenbank mit dem Status "88" versehen, welches auf eine Zugehörigkeit zum NEK deutete.

Trotz des Verbotes der "Nationalistischen Front" blieb die Parteistruktur im Wesentlichen aber erhalten, so dass das Parteileben durch Nachfolgeorganisationen weitergeführt werden konnte.

Bereits kurz vor dem Parteiverbot hatte sich eine so genannten "Sozialrevolutionäre Arbeiterfront" (SrA) von der NF gelöst und wurde so nicht durch die staatlichen Repressionsmaßnahmen betroffen. Um die SrA nicht ebenfalls in den Verbotsstrudel hineinzureißen, blieb diese Organisation aber eine reine Kadervereinigung, die nur selten durch Propaganda in Erscheinung trat. Stattdessen traten nur Vorfeldorganisationen, wie das "Förderwerk Mitteldeutsche Jugend" oder die "Direkte Aktion Mitteldeutschland" in Erscheinung.

In Premnitz gelang es beispielsweise spätestens 1993 eine Stützpunkt dieser NF - Nachfolgeorganisationen zu etablieren, deren Mitglieder sich vor allem in den Jahren 1993 bis 1996 im örtlichen Jugendclub festgesetzt hatten und dort auch das Publikationsorgan "Der Angriff" auslegten und verteilten.
Noch im Mai 1996, ein Jahr nach dem Verbot der letzten NF - Nachfolgeorganisation "Direkte Aktion Mitteldeutschland", wurde in der Stadt ein so genannter  "9 - Punkte - Plan zur Ausländerrückführung" (v.i.s.d.p.: Jürgen Rieger) verteilt, der an frühere NF Publikationen anknüpfte.

Rathenower Mitglieder und Sympathisanten der NF und deren Nachfolgeorganisationen machten  nach dem Parteiverbot vor allem durch spektakulären Aktionen oder in den Polizeiberichten Schlagzeilen.
Im Jahr 1993 beteiligte sich so Sven Schmidt aus Rathenow gemeinsam mit Patrick Cuhrts aus Brandenburg/Havel und anderen inhaftierten (Neo)nazis an einer Häftlingsrevolte in der JVA Luckau, die auch durch eine Grußbotschaft im "Angriff" politisch aufgewertet wurde.
1995 wurde ein (Neo)nazitreffen in einer Waldlichtung bei Golzow (Potsdam - Mittelmark) polizeilich aufgelöst, an dem 25 (Neo)nazis Brandenburg/Havel, Rathenow und Berlin teilnahmen. Die Reichskriegsflagge wurde gezeigt, ebenso wie die Fahne der "Nationalistischen Front". Zu dem wurde verbotenes Propagandamaterial festgestellt.

Nach 1996 trat die "Nationalistische Front" oder einer ihrer Nachfolgeorganisationen im Westhavelland nicht mehr in Erscheinung. Von den oben genannten drei Parteikadern, die Anfang der 1990er Jahre noch in der NF waren, blieb (so weit bekannt) Matthias Nickel der aktivste. Er war später auch in der verbotenen Kameradschaft "Hauptvolk" als Politfunktionär tätig.  
   

 

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