Kameradschaft Rathenow (I.)

  Gründung: vermutlich 1991    
  führende Köpfe: Sandy Altenhordt, Daniel Kuhn,  Mario Knudsen    
  Mitglieder: ca. 20 - 30 (Neo)nazis, u.a Andreas Schmidt, Maurice Kindt, Ingo Ebel, Matthias Nickel, Stefan Nickel, Matthias Krajewski, Thomas Kunz, Maurice Mein, Sven Schmidt, Mario Pehlemann, Jan Dannowski, Claudia Malenke, Roberto Lache, Michael Kuhn, Frank Peter Furchtmann, Mathias Olm    
  (relevante) Publikation: *Kameradschaftsrundbrief (ein Exemplar im Jahr 1992)
*"Der Angriff" (1993 - 1995), Herausgeber: Förderwerk Mitteldeutsche Jugend (FMJ) und andere NF - Nachfolgeorganisationen
*Berlin Brandenburger Zeitung (1994 - 1997), Herausgeber: "Die Nationalen e.V."
   
  Internet:      
Treffpunkte: Gaststätte "Zur Kiste", Rathenow (1997 - 2000)
  Aktionen: *Teilnahme am Naziaufmarsch in Halbe (Volkstrauertag 1991)    
    *Anmeldung einer vorgeblich gegen Drogen gerichteten Gegendemonstration zur Antifaschistischen Demonstration am 8. Mai 1992. Die Gegendemonstration wurde polizeilich verboten. Trotzdem sammelten sich ca. 30 Mitglieder der Kameradschaft Rathenow auf dem Märkischen Platz im Rathenower Zentrum und griffen die Antifademonstration unter Rufen wie "Rot Front verrecke" und "Ausländer raus" an.    
    *Anfang Dezember 1992 besetzten "deutsch-nationale" Jugendliche, die der Kameradschaft Rathenow zugeordnet werden können, ein leer stehendes Fabrikgebäude in der Genthiner Straße 1. Das Objekt wurde aber bereits am 24. Dezember 1992 polizeilich geräumt.
In einem Interview mit der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 28. Dezember 1992 ("Weitere Hausbesetzungen sind nicht ausgeschlossen") erklärten dann vier mutmaßliche Mitglieder der Kameradschaft Rathenow das sie mit der Hausbesetzung die Einrichtung eines Treffpunktes  erreichen wollten. Vor der Polizeiaktion am 22. Dezember 1992 seien sie zudem einige Stunde vorher gewarnt worden.
   
    *Am 14. November 1999 veranstaltete die Kameradschaft Rathenow eine Gedenkfahrt anlässlich des so genannten "Heldengedenktages". Anlaufpunkte dieser Tour waren dabei Kriegerdenkmäler in Schönhausen/Elbe (Landkreis Stendal) und in Klötze (Landkreis Salzwedel) sowie abschließend die Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege in Rathenow. An den beiden letzt genannten Orten wurden Kränze niedergelegt .    
         
  Bemerkung: Die Kameradschaft Rathenow entstand aus einem Personenkreis um Mario Knudsen, Daniel Kuhn und Sandy Altenhordt die sich selbst als "unpolitische Oi - Skinheads" bezeichneten. Jedoch wurde die vorgebliche politische Neutralität schon recht früh durch Jackenaufnäher wie "Ich bin stolz ein Deutscher zu sein" oder Abbilder des Keltenkreuzes konterkariert. Zudem wurden seit 1990 vermehrt (neo)nazistische Schmierereien festgestellt, die auf die Täterschaft der "Oi Skinheads" hinwiesen.

Mit der zunehmenden Faschistisierung der "Oi Skinheads", die in der Gründung der Kameradschaft Rathenow mündete, nahm auch die Gewalt gegen ausländische Gastarbeiter, Angehörige der sowjetischen Garnison und Anhänger linksorientierter Subkulturen zu. Auf dem vorläufigen Höhepunkt des (neo)nazistischen Terrors in Rathenow, 1992 und 1993, wurden auch vermehrt und willkürlich "Stinos" (Stinknormale) als  reine Machtdemonstration angegriffen.

Nach dem sich dann in jenen Jahren auch eine relativ starke antifaschistische Gegenbewegung in der Stadt etablierte, konnte ein leichter Zurückgang der (neo)nazistischen Aktivitäten verzeichnet werden.

Der harte Kern der Kameradschaft Rathenow driftete zu dem immer weiter in die organisierte Kriminalität ab, die nun ihr hauptsächliches Betätigungsfeld zu werden schien.

In der (Neo)nazipublikation "Berlin Brandenburger Zeitung" (Ausgabe Juli/August 1994) wurden die "Rathenower Kameraden", die einst zu den "aktivsten in der Szene zählten", von einem "S.D./kommando F." schließlich als Unterstützer für Potsdamer Zuhälter und Rauschgifthändler entlarvt, die ihren Spaß an die erste Stelle stellen und sich "an ihrem eigenen BILD - Zeitungsniveau" ergötzen.

Die "Nationalen e.V." versuchten daraufhin durch ihr Engagement in Rathenow und Umgebung die (neo)nazistische Szene neu zu formieren. Nach dem aber die vom Vorsitzenden der "Nationalen e.V.", Frank Schwerdt, angemeldete Gegendemonstration zu einer antifaschistischen Demonstration am 9. Dezember 1995 polizeilich verboten wurde und die wenigen Rathenower (Neo)naziprovokateure am Rand der Antifaveranstaltung entschlossen abgewehrt wurden, war von den Nationalen e.V. im Rathenower Raum nicht mehr viel zu hören.

Der sich seit dem abzeichnende Abwärtstrend der nunmehr unumstritten von Sandy Altenhordt geführten Kameradschaft Rathenow erreichte schließlich am Himmelfahrtstag 1996 seinen vorläufigen Tiefstpunkt. Nach dem die Kameraden den "Herrentag" einmal mehr nutzen wollten um die linksalternative Szene anzugreifen, erlitten sie in jenem Jahr eine so schwere Niederlage, dass sie in dieser Personenzusammensetzung nie wieder einen Angriff wagten.

Trotzdem war die Kameradschaft Rathenow noch längst nicht am Ende. Bereits Silvester 1996/1997 wurde der Truppe zur Vermeidung von Ausschreitungen in der Silvesternacht in Rathenow eine Reise nach Paris gesponsert, für die sich Kameradschaftsmitglied Brian Friedrichs im Namen der "siebzehn jungen und aufstrebenden Jugendlichen aus Rathenow", die an der Reise teilnahmen, in einem Leserbrief in der Regionalzeitung "Preußenspiegel" vom 12. Januar 1997 artig bedankte.

Durch eine Große Anzahl von Jugendlichen die in den Jahren 1997 und 1998 eine Begeisterung für die (neo)nazistische Szene entwickelten und eine Wiederbelebung der selben erreichen wollten, erlebte die Kameradschaft Rathenow ihren zweiten Frühling.

Unter Regie von Sandy Altenhordt, Daniel Kuhn und Maurice Kindt wurden die Jung(neo)nazis, die sich später auch "Arische Kämpfer - White Power Rathenow" und "White Warriors Rathenow" nannten in die regionale (neo)nazistische Szene integriert.

Die verbleibenden Personen der Kameradschaft Rathenow schlossen sich dann im Jahr 2000 sogar mit den "Arischen Kämpfern" und der "Kameradschaft Premnitz" zur Kameradschaft "Hauptvolk" zusammen.

   
         
  weitere Informationen: "Weitere Hausbesetzungen sind nicht ausgeschlossen" in Märkische Allgemeine Zeitung, 28. Dezember 1992    
    Hinter den Kulissen (1994)    
    AIB Nr. 28 (1994)    
    Hinter den Kulissen (1999)    
    Zusammenfassung rechtsradikaler Aktivitäten 1997    
    Rechtsextreme Aktivitäten im Westhavelland – Jahreszusammenfassung 1998    
    Zusammenfassende Dokumentation der rechtsextremen
Aktivitäten 1999
   
    Zusammenfassende Dokumentation der rechtsextremen Aktivitäten 2000    

 

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