Kameradschaft "Hauptvolk"

  Gründung: 2000    
  Verbot: 6. April 2005; vollstreckt am 12. April 2005 (Innenministerium Brandenburg)    
  führende Köpfe: Sandy Altenhordt, Daniel Kuhn, Maurice Kindt    
  Mitglieder: Personen aus Kameradschaft Rathenow (I.), der Gruppierung "Arische Kämpfer - White Power Rathenow" und der "Kameradschaft Premnitz" sowie Stefan Timm, Peter Postolka und Heiko Rätzsch    
  (relevante) Publikationen: "Hauptvolk - Rundbrief der nationalen Jugend" (seit 2000)
"Der Landbote"
   
  Internet: *http://www.hauptvolk.de [Betreiber: Sandy Altenhordt (2004), Karsten Peters (2004 - 2005)];
*http://www.hauptvolk-forum.de.ki (auch http://www.sauerkrautnektar.de/wbb2, Betreiber: Sandy Altenhordt)
*interner Emailverteiler
   
Treffpunkte: Gaststätte "Zur Kiste", Rathenow (2000)
Gaststätte "Lindenhof", Premnitz (seit 2000)
Gaststätte "Don Promillos Pony Bar" (2001 - 2002)
Gaststätte "Zur Windmühle", Bamme (seit 2001)
  Aktionen: *Am 11. März 2000 veranstaltete die Kameradschaft "Hauptvolk" in einer Sporthalle in Klietz (Landkreis Stendal) ein so genanntes "Antikommunistisches Fußballturnier", an dem auch Mannschaften aus Berlin, Potsdam, Brandenburg/Havel (Kirchmöser), Premnitz, Königs Wusterhausen und Fürstenwalde teilnahmen.    
    *In der Nacht von Donnerstag, 16.08.2001, zu Freitag, 17.08.2001, verklebten (Neo)nazis aus dem engeren Rathenower Umland, die vermutlich der Kameradschaft "Hauptvolk" zu zu ordnen sind, im Stadtgebiet von Brandenburg/Havel mehrere Plakate, die den 1946 in Nürnberg verurteilten NS – Kriegsverbrecher Rudolf Hess als „Märtyrer“ verherrlichten.
Ein Anwohner hatte die Aktion beobachtet, das Kennzeichen des PKWs aufgeschrieben, mit dem die Personen unterwegs waren, und die Polizei verständigt. Bei einem 22 Jährigen wurde daraufhin eine Hausdurchsuchung durchgeführt, wobei rechtsextremes Propagandamaterial, u.a. Musik - CDs, sichergestellt wurden.
   
    *Am Freitag, dem 9.August 2002, beobachteten Antifaschisten in der Gaststätte „Am alten Hafen“ in Rathenow eine Zusammenkunft von ungefähr 30 (Neo)nazis aus der Kameradschaft "Hauptvolk" und der "Kameradschaft Rathenow" (II.), das vermutlich als Vorbereitung für die Aktivitäten zum "Rudolf Hess Gedenktag" diente.
Im Anschluss an die Zusammenkunft, konnte beobachtet werden, wie aus dem Pkw - Kofferraum eines Hauptvolkmitgliedes Propagandamaterial entnommen und an Versammlungsbeteiligte verteilt wurde.
Am Donnerstag, dem 15. August 2002, tauchten dann abends die ersten Aufkleber im Zusammenhang mit dem Todestag von Rudolf Hess in der Rathenower Neustadt (Zentrum) auf. Am Freitag, dem 16.08.2002, entfernte die Polizei und Antifaschisten weitere Aufkleber und Plakate in Rathenow und Premnitz. Auch am 17. und 18. August 2002 wurden Aufkleber entfernt: in Seeblick, Nennhausen, Stechow sowie wiederum in Rathenow.
Vornehmlich waren diese an Verkehrsschildern, Straßenlampen und Litfasssäulen angebracht.
Insgesamt belief sich die Zahl der entfernten Aufkleber in diesen Tagen auf 390 (320 in Rathenow,14 in Seeblick, 31 in Stechow und 25 in Nennhausen), die Anzahl der Plakate auf mindestens 24 (13 in Rathenow und elf in Premnitz) und die Anzahl der Flyer auf mindestens 3 (alle in Rathenow).
Besonders auffällig waren hierbei mindestens sieben Aufkleber mit der Aufschrift „Rudolf – Hess – Str.“, die über Straßenschilder geklebt wurden.
Der regionale Schwerpunkt der Rudolf Hess Aktionswochen lag ohne Zweifel in Rathenow. Hier entfernte die Polizei auch am Sonntag, dem 18. August 2002, eine Hakenkreuzfahne von einer Eisenbahnbrücke.
Weiterhin wurde in der Nacht vom Donnerstag, dem 15. August 2002, zu Freitag, dem 16. August 2002, eine Zusammenkunft von Rechtsextremisten im Garagentreffpunkt der Kameradschaft Rathenow (II.) in der Kleinen Waldemarstraße polizeilich aufgelöst. Mehrere Bilder von Adolf Hitler und Rudolf Hess, eine Reichskriegsflagge, mehrere Tonträger sowie die komplette Musikanlage wurden von der Polizei beschlagnahmt. (Neo)nazis die sich dorthin begaben wurden des Platzes verwiesen.
   
    *Laut Brandenburger Verfassungsschutz (17. November 2002) wurden am Volkstrauertag 2002 sechs Mitglieder der örtlichen Kameradschaft "Hauptvolk" festgestellt, die „Auf einem Friedhof in Rathenow" ein "Blumengebinde zurückließen“.    
    *Mitglieder der Kameradschaft „Hauptvolk“ nahmen im März 2003 an einem "Nationalen Fußballturnier" mit dem Titel „Football against Communism“ in der Sächsischen Schweiz teil, das vom „Netzwerk Rechts Pirna Sebnitz“ organisiert wurde. Auf deren Internetseite www.elbsandstein.org wurde dann am 31.03.2003 und an den folgenden Tagen darüber berichtet:
Am vergangenen Wochenende fand im Landkreis das dritte "Football against Kommunism" Turnier statt. Zu diesem Zweck wurde eine der bestausgebautesten Sporthallen im Landkreis ohne Probleme :-) angemietet. Insgesamt spielten zehn Mannschaften aus ganz Mitteldeutschland gegeneinander. Die genauen Ergebnisse geben wir in den nächsten Tagen bekannt.
Tatsächlich konnten die Ergebnisse als bald nachgelesen werden. Dabei wurde ersichtlich, dass neben der Mannschaft der Kameradschaft „Hauptvolk“, die in diesem Turnier den ersten Platz belegte, z.B. auch Mannschaften der einschlägigen (Neo)nazikameradschaften Tor Berlin und Norkus Freiberg teilnahmen.
   
    *Am Samstag, dem 28. August 2004, verteilten mindestens elf (Neo)nazis, darunter auch Mitglieder der Kameradschaft "Hauptvolk" und "Sturm 27" in  den frühen Morgenstunden im Rathenower Stadtgebiet Flugblätter der (Neo)naziwahlinitiative  „Ja zu Brandenburg“ als Potswurfsendung. Gleichlautende Flugblätter wurden auch in Premnitz festgestellt.    
         
  Teilnahme an Nazi-aufmärschen: *Teilnahme am Naziaufmarsch in Berlin (1. Dezember 2001)
Veranstalter: NPD
   
    *Teilnahme am Naziaufmarsch in Leipzig (8. Juni 2002)
Veranstalter:
   
    *Teilnahme am Naziaufmarsch in Potsdam (30. Oktober 2004)
Veranstalter: Aktionsgruppe Potsdam - Mittelmark
Anmelder: Christian Worch
   
    *Teilnahme am Naziaufmarsch in Magdeburg (15. Januar 2005)
Veranstalter: Initiative gegen das Vergessen
Anmelder: Jürgen Rieger
   
    *Teilnahme am Naziaufmarsch in Dresden (13. Februar 2005)
Veranstalter: Junge Landsmannschaft Ostpreußen
   
    *Teilnahme am Naziaufmarsch in Dessau (12. März 2005)
Veranstalter: Freie Nationalisten Dessau/Anhalt
   
         
  Projekte: *regelmäßige Kameradschaftstreffen    
    *Geländemärsche und paramilitärisches Training (2001)    
    *Kampfsport (seit 2004 in einem angemieteten Raum in einem ehemaligen Fabrikgebäude)    
    *Fußballmannschaft "Sportvolk" (seit 2004 in der zweiten Rathenower Stadtliga)    
         
  Bemerkung: Die Kameradschaft "Hauptvolk" trat erstmals im Jahr 2000 im Westhavelland in Erscheinung als bekannt wurde das sich (Neo)nazis der Kameradschaft Rathenow (I.), der Gruppierung "Arische Kämpfer - White Power Rathenow" und der "Kameradschaft Premnitz" zu jener vereinsähnlichen Struktur zusammenschlossen.

Bereits im selben Jahr wurden bei einigen Kameradschaftsmitgliedern Kleidungsstücke mit dem Aufdruck "Hauptvolk" sowie der Wortgruppe "jung, weiß stolz" festgestellt. Ein Mitglied der Kameradschaft trug sich am 1. August 2000 im Gästebuch der Naziskinband "Proissenheads" mit dem Namen "Hauptvolk" ein.

Am 17. März 2001 wurde erstmals die Polizei auf die Kameradschaft "Hauptvolk" aufmerksam als sie ein Treffen von ungefähr 50 – 70 (Neo)nazis in der Gaststätte „Zur Windmühle“ im heutigen Nennhausener Ortsteil Bamme kontrollierten.

Seit Juli 2001 wurden im damaligen Kameradschaftstreffpunkt "Don Promillos Pony Bar" öfters Kameradschafts - und Koordinierungstreffen beobachtet, an denen auch Mitglieder des Jungsturm Rathenow - New Age Nazis (2001 - 2002 "Kameradschaft Rathenow" (II.), 2003  "Sturm 27") teilnahmen.

Mit der Zeit entwickelte sich eine stets um die 60 Personen starke (Neo)nazivereinigung, die sich verstärkt seit 2004 auch in der bundesweiten (Neo)naziszene zu profilieren suchte.

Im Raum Westhavelland fielen die Kameradschaftsmitglieder aber insbesondere durch  Gewaltaggressionen im Kampf um die Hegemonie in der Region auf.

Der am 6. April 2005 bestätigte Verbotsantrag des Brandenburger Innenministerium gegen die Kameradschaft "Hauptvolk" und den "Sturm 27" wurde am 12. April 2005 vollstreckt. 41 Objekte von 39 (Neo)nazis wurden z.T. in mehreren Bundesländern durchsucht und mehrere tausend Aservate beschlagnahmt.

   
         
  weitere Informationen: Zusammenfassende Dokumentation der rechtsextremen Aktivitäten 2000    
    Rechtsextremismus im Westhavelland - Jahresrückblick 2001    
    Rechtsextremismus im Westhavelland - Jahresrückblick 2002    
    Rechtsextremismus im Westhavelland - Jahresrückblick 2003    
    Rechtsextremismus im Westhavelland - Jahresrückblick 2004    
    Rechtsextremismus im Westhavelland - Jahresrückblick 2005    

 

 

 

 

Bild links: Rechtshilfebroschüre der Kameradschaft "Hauptvolk"   Bild rechts: Kranz der Kameradschaft "Hauptvolk" (2002)
     

 

Bild links: ehemaliger Pkw von Hauptvolk - Mitglied Marcel Liß (2002)   Bild rechts: ehemaliger Pkw von Hauptvolk - Mitglied David Liß (2004)
     

 

Bild links: polizeilich beschlagnahmte Mützen und Schlüsselbänder der Kameradschaft "Hauptvolk"   Bild rechts: polizeilich beschlagnahmte Hauptvolk - Propaganda und Waffen

 

 

zurück